Positionsmeldung

Nora

Willkommen

Positionsmeldung erzählt von Reisen. Manche führen aufs Meer, manche nur ein paar Schritte vor die Haustür, manche ereignen sich auf Papier, auf Bühne und Leinwand oder virtuell.

Ich freue mich über Begleitung.

 

14° 40’ 36’’ N,17° 26’ 35’’ W

website blog 279Das Schiff treibt. Seit dem späten Nachmittag machen wir keine Fahrt mehr. Der Hafen in Dakar ist voll, aufgrund der Sicherheitslage will der Kapitän dort nicht vor Reede liegen und so treiben wir eine Tagesreise von Dakar entfernt auf dem Atlantik. Ab Sonnenuntergang ist das Schiff hell erleuchtet, die Generatoren laufen auf Hochtouren und die Türen an Deck werden fest verschlossen. Erst am Sonntagmorgen steuert der Kapitän das Schiff in den Hafen. Wie klein die Menschen sind, die am Kai stehen und mit Hilfsleinen die dicken Trossen des Frachters auf die Pöller ziehen. Knapp eine halbe Stunde dauert es, ehe wir fest liegen und dann beginnt das Warten: Wann können wir an Land? Und wie lange? Der Vormittag vergeht. Es wird einklariert, der Zoll kommt an Bord. Nach dem Mittagessen warteten wir weiter auf Informationen.

Irgendwann heißt es, wir sollen um 18 Uhr wieder an Bord sein. Aber noch fehlen die Papiere und der zuständige Offizier muss auch erst einmal essen. Endlich kann unser Grüppchen zur Rampe, doch nun fehlen Helme und Sicherheitswesten, ohne die man das Hafengelände nicht betreten darf. Wir warten an der Laderampe. Die Züge, die in Le Havre aufgenommen worden, werden ausgeladen, andere Güter kommen an Bord. Die Lademannschaft bekommt ihr Mittagessen. Es ist heiß. Und dann bekommen wir Helme und Westen, werden von Bord und auf markierten Wegen zur Sicherheitsschleuse geleitet, passieren ein automatisiertes Drehtor und werden an der Baracke aufgehalten. Wir haben zwar unsere Papiere, doch eine Liste fehlt, ohne die wir nie wieder das Gelände betreten können, wird uns mit vielen Worten versichert. Also verschwindet unser Begleiter zum Schiff, um die Liste zu holen.

18° 5’ 58’’ N, 15° 58’ 16’’ W

website blog 281Im Hafen von Vigo dürfen wir von Bord. Das ist keinesfalls selbstverständlich. Kreuzfahrtschiffe laufen Häfen an, damit die Passagiere sich den Ort anschauen können, Frachter dagegen laufen Häfen an, um Fracht zu löschen oder zu bunkern. Ob die wenigen Passagiere an Land kommen hängt dabei von vielen Faktoren ab: 1. Zeit der Ankunft (bei Nacht ist ein Landgang nicht möglich). 2. Zeit der Abfahrt ( ist die Liegezeit zu kurz, darf man auch nicht raus). 3. Entfernung des Containerhafens von der Stadt (liegt der Frachthafen zu weit draußen, kann es sein, dass die Liegezeit im Hafen wieder zu kurz für Ausflüge ist). 

In Le Havre blieben alle an Bord, in Vigo passt es nun. Nach ein paar Tagen auf See wäre es gut, festen Boden zu spüren und längere Strecken zu laufen, ohne im Kreis zu gehen. Eine Runde auf dem Brückendeck sind für mich ca. 250 Meter, am Tag laufe ich drei Mal die acht Runden. Doch ganz sicher ist die Sache mit Vigo nicht. Erst heißt es, wir können, am Morgen dann, es geht doch nicht, und ein paar Stunden später kommt vom Kapitän persönlich die Ansage: Es geht an Land. Merke: häufiges Nachfragen lohnt sich. Nach den Formalitäten (Fotokopien der Pässe, Listeneintrag, Telefonnummernaustausch wandert unser Trupp durch den Hafen unter den erstaunten Blicken der Ladenden und der Fahrer. Im Hafen läuft niemand außer uns, alle sitzen sicher in ihren Fahrzeugen.

34° 13,3’ N, 8° 2,0 W

website blog 277„Come in!” Der freundliche Kapitän winkt uns herein auf die Brücke, in der gut geschützt gesteuert wird, sowie das Meer draußen und die vielen Anzeigen drinnen überwacht werden. Während der Fahrt sind sie zu zweit auf der Brücke, beim Anlaufen eines Hafens wesentlich mehr, doch dann haben wir Passagiere dort sowieso nichts zu suchen. Aber jetzt ist es ruhig und wir suchen gerne Schutz vor Wind und Regen hinter den großen Scheiben, über die meterlange Scheibenwischer fahren. Die Brücke misst etwa zehn mal fünf Meter und ist beinahe auf der ganzen Breite mit Stahlkästen bestückt, auf denen die Instrumente ruhen. Kurz waren wir schon einmal zur Sicherheitseinweisung hier, aber nun ist es natürlich viel interessanter. Der Mann schaut sich alles genau an, die Instrumente haben andere Dimensionen und sind auch viel genauer als auf unserem Segelboot. 

Wir erfahren auch, dass wir nach Le Havre noch einmal im spanischen Vigo und in Dakar Halt machen. Auf einem Linienfrachter werden nur die Häfen angelaufen, wo Fracht aufgenommen oder abgeladen wird. Das kann sich offensichtlich sehr kurzfristig ergeben, Zeiten und Häfen ändern sich von Tag zu Tag. Der Kapitän wird die Strecke zwischen Europa und Südamerika noch bis Mai befahren. Zirka zwei Monate dauert eine Runde.

Der Frachter taucht in die Wellen und hebt sich mit ihnen, Wind treibt uns über das Deck. Am Horizont zeigt sich ein Fitzelchen Blau. Wir haben Glück mit dem Wetter; das finden alle. Die See ist moderat bewegt, nur ab und zu ein Schauer, kein Dauerregen und bisher sogar mehr Sonne als grauer Himmel. 

53° 31.58’ N, 10° 0.65’ E

website blog 275

Wir sind zu spät. Um 10 Uhr sollten wir am Kai sein, aber es ist schon halb elf. Dabei war alles so gut geplant, musste es ja auch für die lange Reise auf dem Frachter nach Südamerika. Alles ist gepackt und gut verstaut im Wohnmobil, aber dann hängt es an den Gasflaschen. Die sind noch voll, zu voll, und es dauert ewig, sie zu entleeren, unter den ungläubigen Blicken der anderen Camper im Hamburger Wohnmobilhafen, die ja nicht wissen können, dass wir unser Wohnmobil heute verladen wollen, wozu die Gasflaschen leer sein müssen.

Wir sind also zu spät und stehen dazu noch im Stau und hoffen, dass das Navi schon den Weg findet zum O’swaldkai durch die neue Hamburger Hafencity. Mit rasendem Puls biegen wir endlich ein auf den großen Parkplatz, suchen hektisch nach dem Schuppen 48, folgen einem Schild und werden von einer Schranke aufgehalten. Sofort senkt sich auch hinter uns eine Schranke. Wir sind gefangen. Zur Belustigung der Belegschaft. Immer diese Touristen. Wir müssen wieder raus, uns anmelden, warten, doch dann geht alles seinen ordentlichen Gang: Gemeinsam mit einem anderen deutschen Paar in einem Wohnmobil folgen wir um kurz nach elf einem Fahrzeug zur Grande Nigeria, auf der wir die nächsten vier Wochen verbringen werden. Eine steile Rampe führt ins Innere des riesigen Schiffs, und dann geht es ans Einparken. Zentimeterarbeit, bis das Fahrzeug genau an der richtigen Stelle zwischen den Verzurrösen steht. Weder die Gasflaschen noch der Tank noch überhaupt irgendetwas am Camper ist kontrolliert worden.

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