Positionsmeldung

Argentinien

  • 32° 49' 45'' S, 70° 04' 45'' W

    DB723FFA 6E3C 43BE 96D1 DD5289D79BC8„Wir sollten schnellsten nach Uruguay“, sagt mein findiger Fahrer am Morgen. Nach zwei Tagen an einem einsamen Pazifikstrand hat uns die Nachricht von Grenzschließungen erreicht. Vier Wochen lang keine Flüge aus und nach Europa mehr von Buenos Aires. Nun liegt unser Rückflug zwar nach der Sperre, aber wer weiß. Sicherer ist es abzubrechen, das Wohnmobil sicher unterzustellen, nämlich in Uruguay, wo es 12 Monate bleiben kann, und eventuell einen früheren Rückflug zu buchen. Eine kurze Nachfrage im Netz zeigt, dass viele sich auf den Weg machen. Große Sorgen machen wir uns noch nicht, schließlich sind wir seit Monaten in Südamerika, weit vor einem Corona-Ausbruch in Deutschland, das können wir mit den Eintragungen im Pass nachweisen. „So schnell geht das alles nicht”, denken wir, fahren los, doch noch im Reisemodus, kehren mittags in einem guten Restaurant ein, wo uns der Besitzer seinem Vater vorstellt, der auch ein begeisterter Reisemobilist ist. Wir kommen ins Reden, ins Zeigen. So wird es eine lange Pause, und wir übernachten noch einmal in Chile.

    Am nächsten Morgen erfahren wir, dass Chile in zwei Tagen alle Grenzen schließt. Also höchste Zeit! Durch einen unnötigen Umweg in Santiago (Verirren auf den Autobahnen) und ein nötigen in Los Andes (Tanken) ist es schon Abend, als wir uns auf die Passstraße begeben, inmitten von LKW-Kolonnen. Kurz überlegt der findige Fahrer den Grenzübertritt auf morgen zu verschieben, entscheidet sich dann aber doch für die 28 Serpentinen und den Tunnel auf 3500 Metern. 

    Es klappt auch alles ganz gut, das Auto hält durch, die Ausblicke sind tief und faszinierend, ein riesengroßes beleuchtetes Schild verabschiedet uns aus Chile. 

    Der Mann im Häuschen nach dem Tunnel notiert unser Kennzeichen und die Personenzahl. „Aduana a 17 kilometros”. Wir fahren zwischen hoch aufragenden, gezackten Felsformationen, die langsam in der Dämmerung verschwimmen, fahren durch das Grenzgebiet mit vielen Aussichtspunkten und Wanderwegen, die wir auf einen späteren Besuch verschieben. Dann kommt die Grenzstation, hier werden Busse abgefertigt und wo dann andere Fahrzeuge? Es ist stockdunkel, wir sind schon weit über den 17 Kilometern. Der findige Fahrer dreht um, auch in dieser Richtung finden wir nichts. Wieder kehrt, und da oben sehen wir ein Licht, fahren darauf zu, doch an allen drei Grenzhäuschen leuchtet es rot. Wir drehen Kreise, fahren auf einem anderen Weg hinein und sehen endlich Menschen.

  • 35° 58' 53.825" S 70° 23' 39.775" W

    Website Grande TermasWer von Argentinien nach Chile will, muss über die Anden. Es gibt viele Pässe, im Norden hohe, im Süden dann etwas niedrigere. Manche haben geteerte Straßen, manche nicht. Erwin und Rita kommen gerade aus dem Süden, und wie schon im letzten Jahr kommen wir aus dem Norden. Gemeinsamer Treffpunkt wird ein Platz vierzig Kilometer vor der Laguna Diamante (unser Fahrzeug verträgt große Höhen und viel Schotterstraße nicht ganz so gut.) Rau, mit einem Blick über den Rio Diamante, und gut für eine lange Wanderung hinunter zum Fluss ist unser Platz für zwei Tage, mit gutem Essen, dank des Backofens der Freunde, und noch besseren Gesprächen und dem festen Vorsatz, uns doch auch einmal auch in Deutschland zu treffen. 

    Nach einem Abstecher in die Höhle der Hexen, über steile Treppen und halb liegend durch enge Durchstiege, dunkel, aber wunderbar kühl, nehmen wir die geteerte Passstraße nach Chile, reisen ordentlich aus Argentinien aus (Stempel in den Pass und den wichtigen Einfuhrzettel für das Fahrzeug beim Zoll abgeben). Die chilenischen Kollegen säßen in 85 Kilometern Entfernung, sagt der Argentinier. 

    So weit wollen wir gar nicht mehr fahren. Auf unserer App finden wir einen Campingplatz mit Thermen noch vor der offiziellen Staatsgrenze. Es gibt sogar ein Schild und eine … Schotterstraße über die Berge in ein wunderschönes Tal, wo wir auf der Wiese stehen und in eines oder mehrere oder alle sieben Becken mit heißem, salzigen, eisenhaltigen Wasser eintauchen. Danach kurz in den eiskalten Fluss und dann unter die Decke ins Wohnmobil. Der müde Blick geht nach oben in den Sternenhimmel. Wir bleiben sicher noch einen Tag.

  • 32° 24' 37.66" S 63° 14' 37.122" W

    Website paranaDie Räder rollen, zum Glück tun sie das. Quer durch Argentinien geht es, in Richtung der Anden. Die Räder rollen über lange Brücken, über neue Straßen, über Wasser und Sand und Stein. Sie halten an in Rosario, an einer Badestelle am Rio Parana, auf dem Segelboote hart gegen den Wind aufkreuzen, der über die Brücke fegt. Tapfer essen wir Fisch im Restaurant trotz der schwirrenden Mücken, die alle anderen einfach ignorieren. Am Morgen haben wir den Strand am Naturschutzgebiet und den ungewöhnlich warmen Fluss für uns allein, und treffen nach dem Bad auf eine ehemalige Kanuten-Weltmeisterin aus Ungarn, die nun in Argentinien als Sportlehrerin arbeitet. Sie spricht uns an, weil ihre argentinischen Freunde wie überall wissen wollen, woher wir kommen und was wir vorhaben.

    Argentinien ist reich an Flüssen, an weiten Uferstellen, wo gebadet, gegessen, gefeiert wird. Ein Land der Picknick-begeisterten und Camper, wahrscheinlich auch, weil diese günstige Art des Reisens und der Freizeitgestaltung für viele gerade noch erschwinglich ist (der IWF befürwortet nun endlich einen Schuldenschnitt für Argentinien) , und Landschaft und Klima dazu einladen. Am Fluss wird gefeiert … und der Müll bleibt liegen, verteilt sich im weiten Rund. Manchmal räumt mein Fahrer, Mechaniker und jeden-Morgen-Schwimmer auf und manchmal suchen wir dann doch einen offziellen Campingplatz.

  • 34° 39' 35.762" S 56° 3' 52.582" W

    Website RosarioWir verlassen die große Stadt und nehmen die Fähre nach Uruguay, die Morgenfähre. Kaum erwacht werden die gepackten Koffer verschnürt, und eine falsche Bewegung macht mich zur steifen Marionette, die den Hals nicht mehr drehen kann. Super. Also vorsichtig mit dem Taxi zum Fährhafen, dort in die Schlange einreihen, Koffer aufgeben, durch die Gepäckkontrolle, Ausreise aus Argentinien und am nächsten Schalter Einreise nach Uruguay (von all unseren vielen Grenzübertritten ist das jedes Mal der unfreundlichste, generell sind sowohl argentinische als auch chilenische als auch uruguayische Grenzer ausgesprochen freundlich und hilfsbereit gegenüber etwas begriffsstutzigen und steifen Fremden, hier jedoch regiert die Ungeduld). 

    Und wenn es schon mal so beginnt, steht auch die folgende Fahrt unter keinem glücklichen Stern. Die Fähre läuft mit großer Verspätung aus, so kommen zwei Fähren beinahe gleichzeitig in Colonia an und das Chaos am Gepäckband und erneuter Gepäckkontrolle ist komplett. Dann noch drei Stunden im Bus nach Montevideo, wo Gabriel auf uns wartet, der uns zum Wohnmobil bringen soll, aber erst einmal einige Umwege fahren muss, weil ein Unfall die Straße blockiert, denn wie Gabriel sagt: „Uruguay is a small country, pequeno.” Die Ausweichmöglichkeiten sind gering. Klein ist das Land, aber teuer, caro, für jeden, dennoch möchte er nirgends woanders leben als hier an der Küste mit Familie und Freunden und in der Natur. Klappt schon ganz gut mit der spanischen Konversation und ab und zu auch mit einer Antwort unsererseits.

  • 34° 37' 13.84" S 58° 22' 18.322" W

     

    Website blog BADie Menschen in Buenos Aires wirken entspannt, es bleibt immer noch Zeit für ein paar Worte, gerne auch ein paar Worte mehr. Man wartet geduldig in langen Schlagen auf den Bus, am Ticketschalter, im Supermarkt, beim Internetanbieter. Wahrscheinlich ist es zum Teil auch schlichter Fatalismus, wahrscheinlich ist es nicht immer leicht, gelassen zu bleiben, doch die Gelassenheit ist spürbar, bei Eltern mit ihren Kindern, bei Paaren und Freunden, in den Läden, auf den Straßen. Angesichts der ökonomischen Situation könnte es auch völlig anders sein.

    Für uns ist Buenos Aires ganz wunderbar und sehr günstig, denn neben dem Wechselkurs der Banken und Wechselstuben (ca. 60/1), gibt es den halboffiziellen (80/1) und mit der Kreditkarte ist es sogar 100/1. Wer bar bezahlt, bekommt oft Rabatt. Für uns ist das gut, für viele hier eine Katastrophe, mit der sie seit Jahrzehnten leben. Keine Änderung in Sicht, das Land ist hoch verschuldet, die Zinsen der ausländischen Kredite erdrückend, Investitionen Mangelware. Da sich niemand auf die Politik verlassen kann und will, versuchen alle, auf ihre Weise Geschäfte zu machen. Es läuft also irgendwie, dennoch, meistens, mas o menos. Schwarzgelbe Taxen durchstreifen die Straßen auf der Suche nach Fahrgästen, Straßenhändler preisen ihre Waren an, der Tauschhandel lebt wieder auf, und wer kann, bietet Führungen und Privatstunden für Touristen gegen harte Währung an, die kann man sparen für größere Ausgaben.

    Und die Buchläden sind voll, die Museen ebenso, die Cafés und Bars, die Parks — vor allem die Parks, denn Argentinier picknicken gerne und oft —, man trifft in den Straßen am Abend und auf den Milongas, die Tangotanzveranstaltungen, draußen und drinnen, verabredet oder sowieso jede Woche. 

  • 34° 36' 30.658" S 58° 22' 22.109" W

    Buenos Aires Es ist heiß in Buenos Aires, heiß und feucht, schließlich ist Januar, der Monat mit den idealen Bedingungen für tausende Mücken und weniger idealen Bedingungen für Menschen, weshalb die Portenos aus der Stadt fliehen, die Touristen aber durch die Barrios streifen. Wir sind glücklich, dass wir hier sind, denn obwohl wir schon vor Monaten Flug und Unterkunft gebucht haben, wurde es auf den letzten Metern bzw, in den letzten Stunden vor der Abreise noch einmal richtig spannend. Eigentlich ist so ein Online-Check-in inzwischen Routine, selbst wenn die Passdaten verlangt werden. Doch nun verlangte das System am Abend vor dem Abflug ein Visum, obwohl ich ganz genau wusste, dass wir genau wie im letzten Jahr keines brauchen würden.

    Was war passiert? Die Visumfreiheit gilt für 90 Tage, was mit unseren vielen Wechseln von Argentinien nach Uruguay nach Chile ganz einfach zu bewerkstelligen ist, aber das kann das System nicht wissen, das sieht nur die 101 Tage zwischen Hin- und Rückflug. „Dakann ich auch nichts machen“, sagt die freundliche junge Frau am Telefon und verweist auf den Check-in am Flughafen, was uns doch eine etwas unruhige Nacht beschert sowie lange Gespräche am Schalter mit ausgiebigen Schilderungen unserer Reisepläne, bis der Chef nickt und die Bordkarten gedruckt werden. 

  • 34° 35' 39,60'' S, 58° 22' 8,52'' W

    13F742CA C0FA 45C0 8FA5 0BCDBC43774EUnsere Zeit in Südamerika geht zu Ende. Noch einmal verlassen wir Chile in Richtung Argentinien. Doch zuvor machen wir einen kleinen Abstecher zu den termas Geometricas, denn zwischen den Vulkanen gibt es heiße Quellen, und so verbringen wir einen Tag in einigen der fünfzehn heißen Becken, die sich einen Abhang hinunterschlängeln, von Farnen umgeben, die in Fels und Sand wachsen.Warmes, fast heißes Wasser so viel der Mensch will, reiner Luxus nach über vier Monaten Naturcamping. Von Kopf bis Fuss eingeweicht treten wir die Rückreise an.

     

    Beinahe, denn wir müssen noch einmal gen Norden, ein weiteres Mal ins Krankenhaus, diesmal in Temuco (das wir nun die Mitte Chiles erreicht haben, tröstet mich  nur wenig). Dafür haben wir Stadt mit allem Drum und Dran, inklusive einer Demonstration der Mapuche, zunächst bunt und laut, später mit Straßensperren der Demonstranten und Tränengaseinsatz der Polizeitruppen.

     

    Der Rückweg führt uns am Villarica vorbei zur Grenze und gleich dahinter befinden wir uns schon im Nationalpark Lanin am Fuße des Vukans, und natürlich auch wieder auf der Schotterstraße (Chile hat genau bis zur Landesgrenze asphaltiert). Zwei ruhige Nächte an Vulkan und See, eine letzte Wanderung, ein letztes Bad im klaren, kühlen Wasser, ein letztes feuerrotes Morgenrot auf der Vulkanspitze — wir verabschieden uns von der Seenregion und machen uns auf den Weg durch die Pampa, quer durch Argentinien, mal eben 1500 Kilometer.

  • 50° 28' 8,10'' S, 73° 1' 47,40'' W

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    Blauer Himmel über dem Fitz Roy. Unwirklich. Kitschig fast, aber kann Natur eigentlich kitschig sein? Auf jeden Fall leuchtet der Berggipfel  rosarot wie Himbeereis   im Morgenlicht und selbst so eine Wasserliebhaberin wie ich ist plötzlich bergentzückt. 

     

    Beinahe hätten wir uns gar nicht erst auf den Weg gemacht so weit in den Süden, die vielen Kilometer, der Wind, die Kälte, doch den Fitz Roy muss man gesehen haben, sagten alle, den wir von unseren Plänen erzählten, und nun sind wir hier und stehen und staunen, sind in El Chalten, der Hauptstadt der Wanderer. Da sind sie, auf den Straßen mit Rucksäcken und Wanderstiefeln, auf dem Weg zum Fitz Roy oder zum Cerro Torre, junge und ältere, Familien oder Paare wie wir. Im Informationszentrum bekommen wir Tipps welcher Trek bei welchem Wetter am günstigsten ist und beschließen, ein paar Tage zu bleiben. 

     

    Gleich beim ersten Aufstieg zieht hoch über uns ein Kondor  seine Kreise und am nächsten Morgen zeigt sich das erste Blau hinter den Wolken, tauchen die Gipfel schemenhaft auf. Als wir am frühen Nachmittag den ersten Mirador erreichen, harren schon viele mit den Fotoapparaten auf den Moment, an dem der letzte Schleier den Cerro Torre freigibt. Sekundenlang ist die dritte Spitze zu sehen und schon wieder in den Wolken verschwunden. Unten im Tal scheint die Sonne und auf den Restaurantterrassen sitzen zufriedene Wanderer beim heimischen Bier.

     

    Früh am nächsten Morgen sind alle Wolken verschwunden und die Gipfel leuchten erst  rosarot  und dann golden. Wir machen uns an den Aufstieg — nicht zum Gipfel natürlich, ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie man auf den Gedanken verfallen kann — wir laufen auch nicht den vollständigen Sendero, sondern belassen es bei der ersten Hälfte, genießen die wunderschönen Ausblicke und kehren am Abend auf den freien Stellplatz am Dorfanfang zurück, von dem aus die Berge im Abend- und Morgenlicht zu bewundern sind. Dort stehen auch drei junge argentinische Familien mit ihren 10, 20 und 30 Jahre alten VW-Bussen. Jeden Morgen grüßen wir die Mate trinkende Runde, am Abend grüßen uns die noch Verbliebenen

     

  • 47° 8' 54,6'' S, 70° 40' 57,48'' W

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    Vor einer Woche haben wir gerade noch einen Platz auf der Fähre bekommen. Das Schiff, mit dem wir über den Lago General Carrera nach Chile Chico übersetzen, ist auch bis auf den letzten Platz besetzt, doch auf den Straßen der Stadt, in Restaurants und Läden ahnen wir schon, dass der Sommer bald vorbei ist. Für die meisten Chilenen und Argentinier sind die Ferien vorbei und den Strom der Touristen zieht es eher in den warmen Norden als in den kühlen Süden.

    Wir aber fahren nach Süden, zunächst jedoch in Richtung Osten über die Grenze vom schmalen Chile ins weite Argentinien. Ohne Warteschlange diesmal und auch ohne Lebensmittelkontrolle. Nur ein paar Stempel und sogar die Kopie der gestohlenen Einfuhrpapiere für unser Wohnmobil findet sich sekundenschnell im Computer des chilenischen Zolls, wird ausgedruckt unterschrieben und zu den Akten gelegt. Dann sind wir in Argentinien und die Sonne scheint. Kurz hinter Los Antigues treffen wir auf einen nigelnagelneuen, mit EU-Mitteln errichteten Nationalpark, mitten im Nirgendwo am weiten Ufer des Lago, der auf der argentinischen Seite Lago Buenos Aires heißt. Ein freundlicher Ranger fragt nach wohin und woher, bevor wir unter den tiefhängenden Ästen zum abgeschiedenen Parkplatz fahren. Der patagonische Wind pfeift über den See, doch zwischen den Bäumen sind wir geschützt für die Nacht.

    Auf der Ruta 40 gibt es nicht viel zu sehen, Pampa rechts und links, ab und zu Guanakos, die elegant über die Zäune hüpfen. Da nehmen wir gern den Abzweig zu den Cuevas de las Manos, den bunten Händen und Felszeichnungen, nicht ahnend, dass die Schotterstraße Wagen und Fahrer schwer prüft. Belohnt werden wir mit einer Führung im Sonnenschein, sogar in Englisch, dafür zahlen Ausländer den doppelten Eintrittspreis, und einem herrlichen Übernachtungsplatz hoch über der Schlucht, allein unter einem weiten Sternenhimmel.

  • 42° 53’ 34,74’’ S, 71° 37’ 0,90’’ W

    website blog 299Die zweite Woche meines Soloabenteuers beginnt ziemlich kalt. Auf den Bergspitzen liegt Neuschnee und nachts liegen die Temperaturen um den Gefrierpunkt. Gut, dass der Camper eine Heizung hat. Dennoch freue ich mich auf die zwei Tage in der Hosteria Futalaufquen im Nationalpark de los Alerces. Es war nur noch ein Apartment mit zwei Zimmern fre,i und das erweist sich nun als Glück, denn Clementina, eine italienische Wooferin, die drei Wochen gegen Kost und Logis auf dem Weinberg arbeitet, wird mich begleiten.

    Rudolfo fährt uns, denn der einzige Bus in den Park fährt nur aus dem 40 Kilometer entfernten Equel um 8 Uhr morgens, und nach Esquel ist es sogar noch weiter als bis zum Park. Rudolf zeigt uns auch, wo das Feuer ausgebrochen ist, dass vor drei Jahren eine Woche im Park wütete — davon zeugen rechts und links die bleichen oder tiefschwarzen Gerippe der Bäume.

    Die Hosteria liegt ganz am Ende des Schotterwegs. 1944 nach einem Entwurf eines argentinischen Architekten entstanden, würde sie auch gut in Schweizer oder österreichische Bergregionen passen. Alles ist noch original, von den dunklen Holzfußböden bis zu den weißen Läden vor den Fenstern.Erst duschen, dann wandern. Vier Kilometer sind es bis zum kleinen Ort im Park, wo wir uns informieren. Es gibt schöne Wanderwege und auch einen Ausflug zu den riesigen, uralten Alercen, die so langsam wachsen, dass die größte nach 2600 Jahren etwa 60 Meter hoch ist und 2,80 Umfang an der Basis. Clementina und ich würden schon gerne, sowohl wandern als auch große Bäume bewundern, nur fehlt uns ein Wagen, um ans andere Ende des Sees zu gelangen. An der Rezeption der Hosteria bietet man uns an, andere Hotelgäste zu fragen, ob sie an der Tour teilnehmen und uns mitnehmen könnten.

  • 43° 11’ 33,76’’ S, 71° 50’ 14,76’’ W

    website blog 297Und dann ist der Mann plötzlich krank und auf dem Weg nach Berlin und ich bin die nächsten 13 Tage solo in Trevelin, genauer gesagt am Vinas del Nant y Fall. Ein wunderschöner Ort, umgeben von Bergen, auf deren Gipfeln Schnee liegt, ein paar Tage später sogar Neuschnee, was etwas über die Nachttemperaturen aussagt. Abgesehen davon ist es hier freundlich, sehr sicher und fern ab von jeglichen öffentlichen Verkehrsmitteln. Zum Glück gibt es Sergio und seinen Vater Rudolfo, die öfter einmal nach Trevelin oder gar Esquel fahren.

    Nur bedauere ich jede Stunde mehr, dass mein rudimentäres Spanisch nicht für mehr Kommunikation ausreicht. Wie gerne würde ich mehr erfahren, als ich sehe oder aus kurzen Fragen und Antworten entnehmen kann. Doch wie immer in Argentinien ergibt sich ungeplant oder halb geplant dann doch das eine oder andere. Sergio organisiert eine cabalgata, einen Reitausflug, bei Manolo, und dort treffe ich ein Brüderpaar, die auf jeden Fall besser Deutsch können als ich Spanisch, denn die Großmutter stammt aus Deutschland und die Mutter ist sogar Deutschlehrerin. So tauschen wir uns auf Deutsch/Spanisch aus, während wir auf schönen braunen, schwarzen und gescheckten Pferden durch eine Märchenlandschaft zu einem verwunschenen See reiten, auf dem weiße Schwäne mit schwarzen Hälsen und Köpfen schwimmen. Zum Picknick sitzen wir auf einer Blumenwiese und am Ende des Tages bei Sergio bei einer Flasche Wein, und die jungen Männer verfolgen fasziniert den Vortrag über Weinanbau.

  • 43° 10’ 12,54’’ S, 71° 30’ 39,9’’ W

    website blog 295Vor allem ist da der Wind — er rüttelt am Wagen, pfeift über Sand und Steine, peitscht Wellen an den Strand, fegt durchs Flusstal. Da ist er immer, in schwächerer Version eine willkommene Abkühlung in der starken Sonne, mit zunehmender Stärke zerrt er an allem, den Haaren, den Kleidern, den Nerven.

    Wir sind im Chubut, queren am Fluss entlang die Mitte Argentiniens, nach ein paar Tagen am Dique Ameghino, einem Stausee wie aus dem Märchenbilderbuch, geht es nun durch die Pampa — hier gibt es nichts, aber auch gar nichts, auch keine gepflasterte Straße, die plötzlich zur steinigen Rüttelpiste wird. Schilder kündigen Bauarbeiten an oder beschreiben eine im Bau befindliche Straße. Auf dieser holpern wir voran: die Strecke ist so wenig befahren, dass jedes vorbeifahrende Fahrzeug begrüßt wird, selbst wir Fremden.

    Im pfeifenden Wind suchen wir einen Platz am Rand für die Nacht, um uns herum die staubige Piste, viel Landschaft und eine verlassene Tankstelle, auf der verschiedene Wagen vor sich hin rosten. Bizarre Wolkenbilder, ein weiter Himmel und am Abend dann doch ein Gast an unsrem Rastplatz. Niedlich schaut er aus, spitze Schnauze, ein weißes Fell mit schwarzen Streifen, ein buschiger Schwanz.

  • 42° 34’ 34,74’’ S, 64° 16’ 34,62 W

    website blog 293Eigentlich sind wir Ende Dezember viel zu spät dran für die großen Wale in den Buchten der Halbinsel Valdés. Deswegen und wegen des Reifens und wegen des schönen Strands in San Antonio haben wir uns nicht sonderlich beeilt, um hierher zu kommen. Wir haben sogar noch auf dem Weg an zwei schönen Buchten übernachtet (und dennoch immer, und das bislang vergeblich, nach Walen Ausschau gehalten).

    Im Informationszentrum des Nationalparks wartet die erste Überraschung: „We have whales, two mothers with their babys.” Also nichts wie hin nach Puerto Pyramides, der kleinen Stadt, von der aus die Waltouren abgehen und in der sich auch der einzige Campingplatz befindet. Eine Tour finden wir schnell und auch den Campingplatz, auf dem wir bei der Suche nach einem nicht allzu hässlichen Plätzchen im Sand steckenbleiben. Bei mindestens 30 Grad in der Mittagshitze, der Platz ist wie ausgestorben. Was nun?

    Doch kaum ist der Mann auf dem Weg zum kleinen Kiosk, kommen ihm auch schon fünf Männer entgegen, die schieben und ruckeln und so mit Kraft und Vollgas den Wagen aus der Kuhle bekommen. Entnervt und erleichtert parken wir am Waschhaus und gehen erst einmal Wale schauen.

  • 40° 49’ 2.94’’ S, 64° 45’ 52.98’’ W

    website blog 290Im riesigen Argentinien, dem zweitgrößten Staat Südamerikas,  gibt es viele Stellen, an denen man mit einem Wohnmobil stehen kann. Es gibt auch viele Campingplätze; die Argentinier sind gerne draußen; wo es geht, wird Picknick gemacht, gegrillt, geangelt oder einfach nur zusammen gesessen und Mate getrunken. Der große Boom muss irgendwann Ende der Neunziger gewesen sein, denn die meisten Campingplätze schauen so aus, als hätte man sie danach dem Zahn der Zeit überlassen. Freundlich sind die Menschen überall, auch für nur ein Zelt oder nur ein Campmobil wird die Anlage geöffnet, werden Formulare ausgefüllt und Duschen angestellt.

    Freies Campen ist natürlich schöner, nicht nur wegen der gewöhnungsbedürftigen Sanitäranlagen der Campingplätze, die wir nach den ersten Versuchen lieber nicht mehr nutzen. Doch Kontakt zu Südamerikanern bekommen wir hauptsächlich auf den Plätzen. In San Miguel del Monte zu einer Familie, deren Vorfahren in den 50er Jahren aus Italien eingewandert sind; in Azul zu zwei Lastwagenfahrern, Vater und Sohn, die am Wochenende Camping machen; in Fortin Mercedes zu einem jungen Kolumbianer, der mit einem Moped durch Argentinien reist, gut Englisch spricht und Französisch lernen möchte, um nach Europa zu reisen. Aber auch an den Tankstellen tönt uns ein „Que hermoso!” entgegen. Man fragt, woher wir kommen und bewundert das Fahrzeug, freut sich über ein paar deutsche Sätze, die man irgendwo aufgeschnappt hat und ist überhaupt begeistert.

  • 34° 37’ 2.58’’ S, 58° 21’ 30.54’’ W

    website blog 288„Ohne Reserverad nach Patagonien, würd ich mich nicht trauen!” Nicht nur einmal haben wir das gehört, und nun ist auch der Mann von der Notwendigkeit eines Reserverads überzeugt, mit dem unser neues Wohnmobil leider nicht ausgerüstet ist — stattdessen gehört ein Erste-Hilfe-Schaum-Set zum Lieferumfang, wenig hilfreich bei einem auf patagonischen Schotterstraßen zerfetzten Reifen, wie wir aus lebhaften Schilderungen erfahren. In Uruguay gab es für unseren Sprinter kein Rad, weder in einer der vielen Gomerias noch bei der Mercedes-Vertretung in Montevideo. 

    Aber nun sind wir in Buenos Aires — in einer Stadt mit mindestens 13, aber wohl eher 15 Millionen Einwohnern dürfte der Kauf eines Reserverads doch kein Problem sein. Nach der rasanten Fahrt mit der Schnellfähre über den Rio de la Plata und genauer Überprüfung von Zoll und Gesundheitspolizei (samt Spürhund) rollen wir auf argentinischen Boden und gleich in den ersten Stau. Um den Hafen herum ist eine Riesenbaustelle und der sowieso schon viel zu dichte Verkehr würde vollkommen zusammenbrechen, wenn nicht an allen Kreuzungen Frauen und Männer mit Warnwesten ständen, die regelnd eingreifen. Immerhin sehen wir rechts und links von uns viele Sprinter und schöpfen Hoffnung.

    Meter um Meter kämpft sich der Mann mutig voran zu einem möglichen Stellplatz in der Stadt (dank einer App —IOverlander— haben wir die Koordinaten). Schön ist es da nicht und noch dazu laut und außerdem ist da ja noch das Reifenproblem, also auf zum argentinischen Automobilclub, wieder in den Stau, nun in eine andere Richtung, zur Avenida del Libertador, wo wir tatsächlich am ziemlich beeindruckenden mehrstöckigen Gebäude des ACA einen Parkplatz finden. Viel mehr aber auch nicht! Die vier Damen in der Tourismus-Etage sind mit Telefon und Monitor beschäftigt. Nein, eine Mitgliedschaft würde uns nichts bringen, denn im Süden hat der ACA kaum Campingplätze, Pannenhilfe gebe es auch nicht und wo man einen Reifen bekommen könnte, könnten sie auch nicht sagen. Eine Straßenkarte könnten wir kaufen.

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