Positionsmeldung

Nora

Willkommen

Positionsmeldung erzählt von Reisen. Manche führen aufs Meer, manche nur ein paar Schritte vor die Haustür, manche ereignen sich auf Papier, auf Bühne und Leinwand oder virtuell.

Ich freue mich über Begleitung.

 

35° 58' 53.825" S 70° 23' 39.775" W

Website Grande TermasWer von Argentinien nach Chile will, muss über die Anden. Es gibt viele Pässe, im Norden hohe, im Süden dann etwas niedrigere. Manche haben geteerte Straßen, manche nicht. Erwin und Rita kommen gerade aus dem Süden, und wie schon im letzten Jahr kommen wir aus dem Norden. Gemeinsamer Treffpunkt wird ein Platz vierzig Kilometer vor der Laguna Diamante (unser Fahrzeug verträgt große Höhen und viel Schotterstraße nicht ganz so gut.) Rau, mit einem Blick über den Rio Diamante, und gut für eine lange Wanderung hinunter zum Fluss ist unser Platz für zwei Tage, mit gutem Essen, dank des Backofens der Freunde, und noch besseren Gesprächen und dem festen Vorsatz, uns doch auch einmal auch in Deutschland zu treffen. 

Nach einem Abstecher in die Höhle der Hexen, über steile Treppen und halb liegend durch enge Durchstiege, dunkel, aber wunderbar kühl, nehmen wir die geteerte Passstraße nach Chile, reisen ordentlich aus Argentinien aus (Stempel in den Pass und den wichtigen Einfuhrzettel für das Fahrzeug beim Zoll abgeben). Die chilenischen Kollegen säßen in 85 Kilometern Entfernung, sagt der Argentinier. 

So weit wollen wir gar nicht mehr fahren. Auf unserer App finden wir einen Campingplatz mit Thermen noch vor der offiziellen Staatsgrenze. Es gibt sogar ein Schild und eine … Schotterstraße über die Berge in ein wunderschönes Tal, wo wir auf der Wiese stehen und in eines oder mehrere oder alle sieben Becken mit heißem, salzigen, eisenhaltigen Wasser eintauchen. Danach kurz in den eiskalten Fluss und dann unter die Decke ins Wohnmobil. Der müde Blick geht nach oben in den Sternenhimmel. Wir bleiben sicher noch einen Tag.

Am Morgen müssen die Nachbarn ihre Zelte festhalten, es windet den ganzen Tag, mittags hagelt es sogar, doch am Nachmittag schiebt sich leuchtendes Blau zwischen die Wolken. Wir wandern im Tal, wir baden — nur im Heißen —, und schlüpfen schnell unter die Decken. Am nächsten Morgen liegt ein Kranz von Eiszapfen um die Außendusche, das kalte Wasser ist eingefroren, doch am Himmel ist kein Wölkchen zu sehen, kein Wind weht — ein wunderschöner Tag zum Weiterreisen.

Website Lago MauleChile heißt uns willkommen, zunächst mit einem Schild, dann mit dem tiefblauen Lago Maule, in dem sich die Berge spiegeln eine lange und wunderschöne Passstraße entlang, und viel später kommt dann auch das Gebäude der chilenischen Grenzer in Sicht. Es ist Mittagszeit, das heißt wir warten, denn der Mann an der Passkontrolle muss ja auch mal etwas essen. Schließlich kommt er und wundert sich. Wir sind vor zwei Tagen aus Argentinien ausgereist und jetzt erst hier. Wo waren wir denn? Nun kommt unser geübtes Spanisch zum Einsatz. Nach unseren Erklärungen und weiteren Blicken in die Pässe, werden die Mienen freundlicher, amüsiert zeigt der Mann seiner Kollegin die vielen Stempel aus dem letzten Jahr. Wir bekommen unseren Stempel und den wichtigen Zettel mit den 90 Tagen Aufenthalt.

Auch den Wagen dürfen wir für 90 Tage einführen. So eifrig wie wir unser Spanisch probiert die freundliche Frau vom Zoll ihr Englisch aus, bringt uns sogar persönlich zur Lebensmittelkontrollstelle, wo der Mann in grüner Weste dann ebenfalls freundlich, aber sehr bestimmt in jede Schublade und hinter jede Klappe schaut. Eine Orange und zwei Maiskolben zeigen wir ihm, und die dürfen nicht mit über die Grenze. 

Dahinter leisten wir uns dann den schlechtesten und zugleich teuersten Hamburger unserer ganzen Reise.  Mit der Einsamkeit ist es jetzt vorbei, auch in Chile sind noch Ferien. An einem Wasserfall nehmen wir Tramper mit. Die junge Frau fragt, ob wir schon von der Revolution in Chile gehört haben. Es wird weitergehen, sagt sie, denn die Menschen haben genug, aber sie haben auch Angst vor der Reaktion der Regierung, die Polizei und Militär aufrüstet, vor der Gewalt. Was auch passiert, sie werden wieder auf die Straße gehen, sagt die junge Frau, während wir an riesigen eingezäunten Industriegebieten vorbeifahren, wo ein großer Konzern das Flusswasser herauspumpt für die Minen in den Bergen.

  
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