Positionsmeldung

Chile

  • 33° 23' 23.208" S 70° 47' 39.937" W

    website SantiagoDa waren wir also glücklich und sicher bei unseren Freunden in Villarica gelandet, schliefen in einem weichen Bett mit Blick auf den Vulkan und dachten: „Erstmal abwarten, wie sich die Lage entwickelt, wir haben Zeit, unser regulärer Rückflug geht in sechs Wochen, vielleicht schaffen wir es ja doch bis dahin nach Buenos Aires.” Was man halt so denkt, erst einmal, gerade an einem schönen Ort mit netten Menschen. „Bleibt bloß dort”, sagen auch die Freunde am Telefon. Die Camper-Gemeinde ist hauptsächlich auch dafür, sich einen sicheren Ort zu suchen und abzuwarten. Aus ganz Südamerika kommen die Nachrichten — wo sollen sie auch hin mit dem Wagen, die Grenzen zu den Nachbarländern sind dicht, die Häfen auch. Einige fahren an einsame Strände, andere auf abgelegene Campingplätze, wo ein netter Gastgeber die Einkäufe erledigt. 

    So ist es auch bei uns, denn in der Stadt herrscht Aufregung, weil jemand aus Santiago das Virus hereingebracht hat. Wir leben abgeschieden und doch in Gemeinschaft, mit unseren Gastgebern und einer jungen Frau aus der Schweiz mit Kind, recht komfortabel, sogar für Monate. Sicherheitshalber trage ich uns doch auf die Krisenvorsorgeliste des Auswärtigen Amts ein, und ich bin erleichtert, als es nach zwei Tagen Serverüberlastung endlich klappt. Man weiß ja nie. Jeden Tag kommen neue, beunruhigende Nachrichten, inzwischen natürlich auch eine Reisewarnung und Rückholaktionen für andere Länder. Jeder zweite Flug wird annulliert und die Lage auf den Straßen ist unklar. Das Konsulat in Temuco rät auch eher zum Abwarten, wenn wir nicht dringend reisen wollen. Die Flugpreise schnellen in die Höhe und Direktflüge nach Deutschland gibt es nicht. Gerüchte über auf Flughäfen Gestrandete machen die Runde. Wir sind an einem sicheren Ort und bleiben. 

    Im Netz bröckelt die Fraktion der Bleibenden, dafür bieten immer mehr Leute ihre Hilfe an, die auch dringend gebraucht wird. Campingplätze, Stellplätze, Rat und Tat. Sogar die strenge Zollbehörde Chiles erlaube nun eine Verlängerung der dreimonatigen Einfuhr eines ausländischen Fahrzeugs, heißt es. Dann kommt die Nachricht, dass die Botschaft sich um Rückholflüge aus Chile kümmert. Termine stehen noch nicht fest. Es gibt eine weitere Liste, auf die man sich täglich eintragen muss, um den Bedarf festzustellen. In der Anlage eine Art Passierschein für die Fahrt nach Santiago (nicht rechtsverbindlich und bei Ausgangssperren ungültig), sowie ein Formular zur Kostenübernahme des Flugtickets (diese Flüge sind nämlich nicht umsonst, sondern ganz regulär bezahlbar, nur kommt die Rechnung erst in der Heimat).

    Sollen wir ohne einen Flugtermin nach Santiago? Kommen wir überhaupt durch? Und falls irgendwas schiefläuft, wie kommen wir wieder zurück? Michael schlägt einen Hubschrauberflug vor. Mein findiger Fahrer schaut mich an, ich schaue zurück. Nein, wir bleiben, und an diesem Abend fühlt es sich so richtig und gut an, dass auch das Hilfegesuch eines weiteren Schweizer Paars mit Campmobil auf ganz offene Ohren und Herzen stößt. Am nächsten Abend sind wir schon sechs Gestrandete. Mit unseren Gastgebern sind wir nun vier Frauen, drei Männer und zwei Kinder, die am Tisch zusammensitzen. Eine richtig nette Wohngemeinschaft auf Zeit. 

  • 32° 49' 45'' S, 70° 04' 45'' W

    DB723FFA 6E3C 43BE 96D1 DD5289D79BC8„Wir sollten schnellsten nach Uruguay“, sagt mein findiger Fahrer am Morgen. Nach zwei Tagen an einem einsamen Pazifikstrand hat uns die Nachricht von Grenzschließungen erreicht. Vier Wochen lang keine Flüge aus und nach Europa mehr von Buenos Aires. Nun liegt unser Rückflug zwar nach der Sperre, aber wer weiß. Sicherer ist es abzubrechen, das Wohnmobil sicher unterzustellen, nämlich in Uruguay, wo es 12 Monate bleiben kann, und eventuell einen früheren Rückflug zu buchen. Eine kurze Nachfrage im Netz zeigt, dass viele sich auf den Weg machen. Große Sorgen machen wir uns noch nicht, schließlich sind wir seit Monaten in Südamerika, weit vor einem Corona-Ausbruch in Deutschland, das können wir mit den Eintragungen im Pass nachweisen. „So schnell geht das alles nicht”, denken wir, fahren los, doch noch im Reisemodus, kehren mittags in einem guten Restaurant ein, wo uns der Besitzer seinem Vater vorstellt, der auch ein begeisterter Reisemobilist ist. Wir kommen ins Reden, ins Zeigen. So wird es eine lange Pause, und wir übernachten noch einmal in Chile.

    Am nächsten Morgen erfahren wir, dass Chile in zwei Tagen alle Grenzen schließt. Also höchste Zeit! Durch einen unnötigen Umweg in Santiago (Verirren auf den Autobahnen) und ein nötigen in Los Andes (Tanken) ist es schon Abend, als wir uns auf die Passstraße begeben, inmitten von LKW-Kolonnen. Kurz überlegt der findige Fahrer den Grenzübertritt auf morgen zu verschieben, entscheidet sich dann aber doch für die 28 Serpentinen und den Tunnel auf 3500 Metern. 

    Es klappt auch alles ganz gut, das Auto hält durch, die Ausblicke sind tief und faszinierend, ein riesengroßes beleuchtetes Schild verabschiedet uns aus Chile. 

    Der Mann im Häuschen nach dem Tunnel notiert unser Kennzeichen und die Personenzahl. „Aduana a 17 kilometros”. Wir fahren zwischen hoch aufragenden, gezackten Felsformationen, die langsam in der Dämmerung verschwimmen, fahren durch das Grenzgebiet mit vielen Aussichtspunkten und Wanderwegen, die wir auf einen späteren Besuch verschieben. Dann kommt die Grenzstation, hier werden Busse abgefertigt und wo dann andere Fahrzeuge? Es ist stockdunkel, wir sind schon weit über den 17 Kilometern. Der findige Fahrer dreht um, auch in dieser Richtung finden wir nichts. Wieder kehrt, und da oben sehen wir ein Licht, fahren darauf zu, doch an allen drei Grenzhäuschen leuchtet es rot. Wir drehen Kreise, fahren auf einem anderen Weg hinein und sehen endlich Menschen.

  • 39° 16' 30.36" S 72° 13' 42.593" W

    Website navidadDie Sache mit den Vulkanen ist noch lange nicht zu Ende, schon steuern wir den nächsten an, fahren an der Nordseite des Conguillo-Nationalparks entlang und genießen die Freuden eines touristisch erschlossenen Gebietes in Form von köstlichen Ravioli aus dem Mehl der Araukarien-Nüsse (kräftiger als Weizen, feiner als Buchweizen), das Land der Vulkane ist auch das Land der Araukarie, dieser Dinosaurier-Baums mit nadeln wie Kakteen und einer Art Pinienkernen in der Größe von Paranüssen. Ein paar Kilometer später landen wir auf einem Platz entre dos vulcanos mit den bislang saubersten Waschräumen und der heißesten Dusche unserer Reise. Dazu gibt es Informationen über die vielen Wanderungen, von leicht bis schwer, von kurz bis lang, und bange Kommentare, wie es wohl im März mit den Demonstrationen weitergeht, denn es wird weitergehen, sagen die jungen Leute, und Polizei und Militär rüsten auf.

    Wir wandern als erstes durch einen Märchenwald, ganz allein, abgesehen von ein paar Schafen, buchstäblich über Stock und Stein, über Stein und Stein und Zaun. Am nächsten Tag geht es zum Krater Navidad. „Eine ganz leichte Wanderung”, hat der junge Mann vom Campingplatz erklärt. Und bis zum Einstieg könnten wir problemlos mit dem Wagen fahren, Ripio, aber guter Schotter, einfach zu fahren. Leicht und einfach, genau das Richtige für uns. Beeindruckend ist die Fahrt dorthin auf jeden Fall, wir lassen die Bäume hinter uns und schauen in Abgründe. Dabei verpassen wir beinahe den sehr dezent ausgeschilderten Pfadbeginn, doch es stehen schon ein paar Wagen am Rand der an dieser Stelle etwas breiteren Straße, und da entdecken wir das Schild und schließlich auf die Gestalten, die über die schwarze Ebene wandern. 

  • 37° 22' 11.215" S 71° 21' 7.492" W

    Website brandChile brennt, überall steigt dunkler Rauch, wir fahren an schwarz und weiß gefärbten Baumgerippen vorbei, an manchen sprosst schon junges Grün. Es ist heiß und trocken in der Mitte von Chile und große Wälder fangen Feuer wie jeden Sommer. Wir sehen den Rauch und hören die Sirenen, plötzlich auch ganz nah, als uns die Feuerwehrüberholt. Nach einer langen Kurve führt die Straße auch nicht mehr weg vom Rauch, sondern darauf zu; dann sehen wir die vielen Wagen am Straßenrand, die Menschen, die zuschauen, wie das Feuer hundert Meter weiter die Bäume frisst. Dort hat die Feuerwehr ihre Leute abgesetzt und dorthin fliegen auch die Hubschrauber mit dem Wasser aus der nahen Lagune. Sechs sind es, die in kurzen Abständen prall gefüllte Wasserbeutel über den Brandrändern entleeren. Gar nicht so einfach bei dem starken Wind. Grell lodernd geht ein hoher Baum in Flammen auf, bevor ihn die Wasserdusche streift, doch das Feuer wird in Schach gehalten.

    Am Abend davor haben wir an einem Weinberg übernachtet und sehr köstlich in dem Restaurant gegessen, das ein junges Paar aus Südtirol dort betreibt. Die Spezialität sind selbst gemachte Nudeln, ein ungefilterter naturbelassener Weißwein und ein Weißwein aus der roten Carmenere-Traube (die nur in Chile und wohl auf einem einzigen Weinberg in Frankreich wächst), quasi ein Rosé, herb, recht ungewöhnlich in Chile. Nun sind wir auf dem Weg zur Laguna del Laja, an dessen Ufern man laut unserer App wunderbar einsam stehen kann.

  • 35° 58' 53.825" S 70° 23' 39.775" W

    Website Grande TermasWer von Argentinien nach Chile will, muss über die Anden. Es gibt viele Pässe, im Norden hohe, im Süden dann etwas niedrigere. Manche haben geteerte Straßen, manche nicht. Erwin und Rita kommen gerade aus dem Süden, und wie schon im letzten Jahr kommen wir aus dem Norden. Gemeinsamer Treffpunkt wird ein Platz vierzig Kilometer vor der Laguna Diamante (unser Fahrzeug verträgt große Höhen und viel Schotterstraße nicht ganz so gut.) Rau, mit einem Blick über den Rio Diamante, und gut für eine lange Wanderung hinunter zum Fluss ist unser Platz für zwei Tage, mit gutem Essen, dank des Backofens der Freunde, und noch besseren Gesprächen und dem festen Vorsatz, uns doch auch einmal auch in Deutschland zu treffen. 

    Nach einem Abstecher in die Höhle der Hexen, über steile Treppen und halb liegend durch enge Durchstiege, dunkel, aber wunderbar kühl, nehmen wir die geteerte Passstraße nach Chile, reisen ordentlich aus Argentinien aus (Stempel in den Pass und den wichtigen Einfuhrzettel für das Fahrzeug beim Zoll abgeben). Die chilenischen Kollegen säßen in 85 Kilometern Entfernung, sagt der Argentinier. 

    So weit wollen wir gar nicht mehr fahren. Auf unserer App finden wir einen Campingplatz mit Thermen noch vor der offiziellen Staatsgrenze. Es gibt sogar ein Schild und eine … Schotterstraße über die Berge in ein wunderschönes Tal, wo wir auf der Wiese stehen und in eines oder mehrere oder alle sieben Becken mit heißem, salzigen, eisenhaltigen Wasser eintauchen. Danach kurz in den eiskalten Fluss und dann unter die Decke ins Wohnmobil. Der müde Blick geht nach oben in den Sternenhimmel. Wir bleiben sicher noch einen Tag.

  • 34° 35' 39,60'' S, 58° 22' 8,52'' W

    13F742CA C0FA 45C0 8FA5 0BCDBC43774EUnsere Zeit in Südamerika geht zu Ende. Noch einmal verlassen wir Chile in Richtung Argentinien. Doch zuvor machen wir einen kleinen Abstecher zu den termas Geometricas, denn zwischen den Vulkanen gibt es heiße Quellen, und so verbringen wir einen Tag in einigen der fünfzehn heißen Becken, die sich einen Abhang hinunterschlängeln, von Farnen umgeben, die in Fels und Sand wachsen.Warmes, fast heißes Wasser so viel der Mensch will, reiner Luxus nach über vier Monaten Naturcamping. Von Kopf bis Fuss eingeweicht treten wir die Rückreise an.

     

    Beinahe, denn wir müssen noch einmal gen Norden, ein weiteres Mal ins Krankenhaus, diesmal in Temuco (das wir nun die Mitte Chiles erreicht haben, tröstet mich  nur wenig). Dafür haben wir Stadt mit allem Drum und Dran, inklusive einer Demonstration der Mapuche, zunächst bunt und laut, später mit Straßensperren der Demonstranten und Tränengaseinsatz der Polizeitruppen.

     

    Der Rückweg führt uns am Villarica vorbei zur Grenze und gleich dahinter befinden wir uns schon im Nationalpark Lanin am Fuße des Vukans, und natürlich auch wieder auf der Schotterstraße (Chile hat genau bis zur Landesgrenze asphaltiert). Zwei ruhige Nächte an Vulkan und See, eine letzte Wanderung, ein letztes Bad im klaren, kühlen Wasser, ein letztes feuerrotes Morgenrot auf der Vulkanspitze — wir verabschieden uns von der Seenregion und machen uns auf den Weg durch die Pampa, quer durch Argentinien, mal eben 1500 Kilometer.

  • 39° 40' 12,30'' S, 73° 20' 56,64'' W

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    Wir fahren der Sonne entgegen, also nach Norden, noch ein wenig in Chile herumgondeln, bevor wir uns auf den langen Rückweg nach Montevideo machen. Noch einmal zum Pazifik, mit Zwischenstation in Valdivia. Eigentlich brauchen wir immer drei Tage in einer Stadt — einen zum Ankommen, einen zum Erkunden und den dritten zum Genießen, doch dieses Mal haben wir nur den Abend am Fluss, denn ein Sonnentag mit Hochsommertemperaturen lockt uns ans Meer. Über die Küstenstraße, an kleinen Orten vorbei und eine steile fünf Kilometer lange Ripiopiste hinunter gelangen wir in eine Bucht, mit dunklem Sand, wo wir direkt am Strand auf einem der Grasflecken stehen.

     

    Einen Tag lang ist es wirklich noch einmal Sommer, sogar der Wind ist warm und willkommen. Eine Badebucht ist Pilolcura dennoch nicht, zu stark sind Strömungen und Wellen, selbst die Surfer haben Mühe; kaum eine Sekunde stehen sie mal auf dem Brett, bevor die Welle bricht. Ansonsten gibt es nur den Flug der verschiedenen Vögel zu beobachten oder den Besitzer der kleinen Lodge, der die leeren Terrassen fegt. Die öffentlichen Toiletten umgibt ein Absperrgitter, nur ein Schild weist noch daraufhin, dass die starke Sonneneinstrahlung Gesundheitsschäden hervorrufen kann. Wie auf Chiloe laufen auch hier wieder Kühe über den Strand und fressen die frisch an Land geschwemmten rötlichen Algen. Der Mann taucht in die Fluten und ich schaue aufs Meer. 

  • 41° 48' 00,54'' S, 73° 28' 32,94'' W

    C6E0E706 FE4C 4991 91B9 BC956BC215F5Unser Wetterglück konnte ja nicht ewig anhalten, und so begleitet uns ein dichter grauer Himmel drei Tage lang auf der Überfahrt von Puerto Natales zurück nach Puerto Montt. Im Nieselregen fahren wir spätabends auf die Fähre, die im Morgennebel ablegt. Es ist eine der letzten Fahrten dieses Schiffs, das in der nächsten Saison durch eine Neueres, Schöneres ersetzt wird. Was auch wirklich notwendig ist, denn nicht nur unsere Kabine ist ähnlich trostlos wie das Wetter und noch dazu ziemlich heruntergekommen. 

     

    Aus irgendeinem Grund gibt es auch auf dem ganzen Deck kein heißes Wasser, was angesichts der kühlen Außentemperaturen und des nicht eben geringen Fahrpreises doch dazu führt, dass der Mann des öfteren an der Rezeption vorstellig wird. Die sehr freundlichen Mitarbeiter wollen sich darum kümmern, der Kapitän wird verständigt, der Schiffsingenieur ebenfalls, doch das Wasser bleibt kalt. Leider, sagt der nette junge Mann, das ungewöhnlich kalte Wetter, die alte Anlage, es täte ihm leid. Im Deck darunter sei alles in Ordnung. Wir würden auch umziehen, sagen wir sofort, und nach kurzer Zeit haben wir eine neue Kabine, die besser in Schuss ist (eine Kategorie besser) und über eine heiße Dusche verfügt, die wir auf der weiteren Fahrt ausgiebig nutzen.

  • 51° 06' 05,70'' S, 72° 58' 41,34'' W

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    Am besten sollte man in diesen Nationalpark im Frühling fahren oder im Herbst wegen der bunten Scheinbuchenwälder und weil er dann weniger überlaufen sei. So stand es in unserem Reiseführer und das werden sich auch die vielen Menschen gedacht haben, die genau wie wir nun hier auf den rumpeligen Schotterpisten fahren oder die Senderos entlang laufen. Reisebusse mit Wanderern, Kleinbusse der Hotels, diverser Reiseunternehmen, jede Menge private Leihwagen und auch ein paar Wohnmobile. 

     

    Bunte Outdoorjacken der einschlägigen Ausrüster leuchten hinter jeder Wegbiegung, spanische, englische und schwedische, russische und japanische, deutsche und französische Wortfetzen klingen vor, hinter und über uns. Alle wissen, der Torres del Paine, die Berge an den blauen und grünen See, das sind die Höhepunkte eines Chilebesuchs. Und diese Landschaft ist auch wirklich großartig, überwältigend schön. Jeder Blick aufs Neue, jeder Gipfel, jeder See. Ein Traum... Die Farben, die Weite, die Höhen. Die schwarzen Schluchten, durch die sich der silbrig-grüne Paine schlängelt. Die Gewalt der Wasserfälle. 

     

    Und das Geratter der Wagen auf den Straßen, die Staubfahnen, die sie hinter sich herziehen, wie sie aus den Kurven plötzlich auftauchen, haarscharf vorbeirasen, und immer neue und immer mehr. Am Abend wird es ruhiger, dann verlassen die Busse den Park, werden Hotelgäste in ihre Unterkünfte gebracht, schlagen die Wanderer ihr Nachtlager in den Refugios auf, und wir stehen auf einem der zugelassenen Parkplätze und betrachten die Wolkenbilder.

  • 47° 8' 54,6'' S, 70° 40' 57,48'' W

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    Vor einer Woche haben wir gerade noch einen Platz auf der Fähre bekommen. Das Schiff, mit dem wir über den Lago General Carrera nach Chile Chico übersetzen, ist auch bis auf den letzten Platz besetzt, doch auf den Straßen der Stadt, in Restaurants und Läden ahnen wir schon, dass der Sommer bald vorbei ist. Für die meisten Chilenen und Argentinier sind die Ferien vorbei und den Strom der Touristen zieht es eher in den warmen Norden als in den kühlen Süden.

    Wir aber fahren nach Süden, zunächst jedoch in Richtung Osten über die Grenze vom schmalen Chile ins weite Argentinien. Ohne Warteschlange diesmal und auch ohne Lebensmittelkontrolle. Nur ein paar Stempel und sogar die Kopie der gestohlenen Einfuhrpapiere für unser Wohnmobil findet sich sekundenschnell im Computer des chilenischen Zolls, wird ausgedruckt unterschrieben und zu den Akten gelegt. Dann sind wir in Argentinien und die Sonne scheint. Kurz hinter Los Antigues treffen wir auf einen nigelnagelneuen, mit EU-Mitteln errichteten Nationalpark, mitten im Nirgendwo am weiten Ufer des Lago, der auf der argentinischen Seite Lago Buenos Aires heißt. Ein freundlicher Ranger fragt nach wohin und woher, bevor wir unter den tiefhängenden Ästen zum abgeschiedenen Parkplatz fahren. Der patagonische Wind pfeift über den See, doch zwischen den Bäumen sind wir geschützt für die Nacht.

    Auf der Ruta 40 gibt es nicht viel zu sehen, Pampa rechts und links, ab und zu Guanakos, die elegant über die Zäune hüpfen. Da nehmen wir gern den Abzweig zu den Cuevas de las Manos, den bunten Händen und Felszeichnungen, nicht ahnend, dass die Schotterstraße Wagen und Fahrer schwer prüft. Belohnt werden wir mit einer Führung im Sonnenschein, sogar in Englisch, dafür zahlen Ausländer den doppelten Eintrittspreis, und einem herrlichen Übernachtungsplatz hoch über der Schlucht, allein unter einem weiten Sternenhimmel.

  • 45° 34' 15''S, 72° 03' 59,4'' W

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    Traumstraße, der Sehnsuchtsort vieler Reisender. Dabei wurde sie einst geschaffen, um möglichst schnell chilenische Truppen nach Feuerland zu bringen, denn die chilenischen Diktatoren fürchteten ebenso wie ihre Gegenüber auf der argentinischen Seite stets einen Überfall zwecks Landnahme. Heute ist man offiziell friedlicher gesinnt und an den vielen Pässen der Grenze ist reger Verkehr.

    Auf der Carretera sowieso, jedenfalls in den Sommermonaten. Jede Menge Pick-ups, 4x4 Geländewagen, normale Autos, Lastwagen und manchmal auch ein Camper wie wir, der sich über die Schotterstraßen traut, denn nur ein Teil der Straße in den Süden ist gepflastert — jedes Jahr ein größerer — und der Rest ist Ripio, also Schotter in unterschiedlicher Güte. Ganz gut zu fahren, wenn gerade eines der riesigen gelben Monster die Straße geglättet hat oder holprig bis zum Auseinanderbrechen klapprig in ausgefahrenen Kurven.

    Wir hüpfen auf unseren Sitzen und mit uns die trampenden Studenten, die wir ein Stück mitnehmen. Iin kleineren und größeren Gruppen stehen sie am Straßenrand, denn der Bus kommt nur einmal am Tag durch. Auch Radfahrer wagen sich an das Auf und Ab der Carretera und Motorräder düsen durch den Staub.

  • 42° 39' 00'' S, 73° 48' 00'' W

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    Dieser Post sollte vom Reisen handeln, von Fahrten, die über mehrere Monate gehen, von dem, was sich ändert im Lauf der Zeit. Ich wollte von Gewinnen schreiben, weil viel Zeit zur verfügung steht, von diesem Luxus, und von der stärkeren Auseinandersetzung mit den eigenen Wünschen und Erwartungen, von den anstrengenden Seiten und von den Wundern und dem Wunderbaren. Das alles wollte ich schreiben und da gab es ja auch eine Menge zu berichten, weil wir eine Menge Menschen kennengelernt haben, die wesentlich länger als wir unterwegs sind oder sein werden, Jahre zumeist, und weil wir ein paar Tage auf der Farm von Klaus und Claudia waren, die 16 Jahre auf ihren Motorrädern durch die Welt gefahren sind und nun auf einem wunderschönen Flecken Erde in Argentinien leben. Ich wollte von den Begegnungen erzählen, von den Menschen, die das Reisen für mich so einmalig und wichtig machen.

    Ich wollte schwärmen... Ich wollte schreiben, wie schön es ist, nicht an feste Orte oder Zeiten gebunden zu sein, sich verwunschene Plätze und Märchenausblicke suchen zu können, auch wenn dabei manchmal buchstäblich ein Griff in die Tonne verbunden war. Ich hatte es auch alles schon aufgeschrieben, doch es ist weg, ein Verlust dieser Reise. Denn uns ist genau das passiert, wovor alle immer warnen. Wir wurden ausgeraubt, am helllichten Tag, auf einer viel befahrenen Straße, vor aller Augen und doch unbemerkt.

    Wir waren völlig arglos, vielleicht weil wir so viele gute Erfahrungen in Argentinien und Chile gemacht hatten, weil wir so vielen freundlichen und hilfsbereiten Menschen begegnet waren, weil wir darauf eingestellt waren, irgendwann auf diesen Straßen eine Reifenpanne zu haben und froh waren inzwischen ein Reserverad und das nötige Werkzeug an Bord zu haben. Vielleicht auch, weil die Sonne schien, wir so schöne Tage auf Chiloe verbracht hatten, weil wir die Weiterreise planten und ich den baldigen Rückflug zur Beerdigung meiner Mutter.

  • 43° 11’ 33,76’’ S, 71° 50’ 14,76’’ W

    website blog 297Und dann ist der Mann plötzlich krank und auf dem Weg nach Berlin und ich bin die nächsten 13 Tage solo in Trevelin, genauer gesagt am Vinas del Nant y Fall. Ein wunderschöner Ort, umgeben von Bergen, auf deren Gipfeln Schnee liegt, ein paar Tage später sogar Neuschnee, was etwas über die Nachttemperaturen aussagt. Abgesehen davon ist es hier freundlich, sehr sicher und fern ab von jeglichen öffentlichen Verkehrsmitteln. Zum Glück gibt es Sergio und seinen Vater Rudolfo, die öfter einmal nach Trevelin oder gar Esquel fahren.

    Nur bedauere ich jede Stunde mehr, dass mein rudimentäres Spanisch nicht für mehr Kommunikation ausreicht. Wie gerne würde ich mehr erfahren, als ich sehe oder aus kurzen Fragen und Antworten entnehmen kann. Doch wie immer in Argentinien ergibt sich ungeplant oder halb geplant dann doch das eine oder andere. Sergio organisiert eine cabalgata, einen Reitausflug, bei Manolo, und dort treffe ich ein Brüderpaar, die auf jeden Fall besser Deutsch können als ich Spanisch, denn die Großmutter stammt aus Deutschland und die Mutter ist sogar Deutschlehrerin. So tauschen wir uns auf Deutsch/Spanisch aus, während wir auf schönen braunen, schwarzen und gescheckten Pferden durch eine Märchenlandschaft zu einem verwunschenen See reiten, auf dem weiße Schwäne mit schwarzen Hälsen und Köpfen schwimmen. Zum Picknick sitzen wir auf einer Blumenwiese und am Ende des Tages bei Sergio bei einer Flasche Wein, und die jungen Männer verfolgen fasziniert den Vortrag über Weinanbau.

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