Positionsmeldung

Nora

Willkommen

Positionsmeldung erzählt von Reisen. Manche führen aufs Meer, manche nur ein paar Schritte vor die Haustür, manche ereignen sich auf Papier, auf Bühne und Leinwand oder virtuell.

Ich freue mich über Begleitung.

 

39° 16' 30.36" S 72° 13' 42.593" W

Website navidadDie Sache mit den Vulkanen ist noch lange nicht zu Ende, schon steuern wir den nächsten an, fahren an der Nordseite des Conguillo-Nationalparks entlang und genießen die Freuden eines touristisch erschlossenen Gebietes in Form von köstlichen Ravioli aus dem Mehl der Araukarien-Nüsse (kräftiger als Weizen, feiner als Buchweizen), das Land der Vulkane ist auch das Land der Araukarie, dieser Dinosaurier-Baums mit nadeln wie Kakteen und einer Art Pinienkernen in der Größe von Paranüssen. Ein paar Kilometer später landen wir auf einem Platz entre dos vulcanos mit den bislang saubersten Waschräumen und der heißesten Dusche unserer Reise. Dazu gibt es Informationen über die vielen Wanderungen, von leicht bis schwer, von kurz bis lang, und bange Kommentare, wie es wohl im März mit den Demonstrationen weitergeht, denn es wird weitergehen, sagen die jungen Leute, und Polizei und Militär rüsten auf.

Wir wandern als erstes durch einen Märchenwald, ganz allein, abgesehen von ein paar Schafen, buchstäblich über Stock und Stein, über Stein und Stein und Zaun. Am nächsten Tag geht es zum Krater Navidad. „Eine ganz leichte Wanderung”, hat der junge Mann vom Campingplatz erklärt. Und bis zum Einstieg könnten wir problemlos mit dem Wagen fahren, Ripio, aber guter Schotter, einfach zu fahren. Leicht und einfach, genau das Richtige für uns. Beeindruckend ist die Fahrt dorthin auf jeden Fall, wir lassen die Bäume hinter uns und schauen in Abgründe. Dabei verpassen wir beinahe den sehr dezent ausgeschilderten Pfadbeginn, doch es stehen schon ein paar Wagen am Rand der an dieser Stelle etwas breiteren Straße, und da entdecken wir das Schild und schließlich auf die Gestalten, die über die schwarze Ebene wandern. 

Recht schnell sind wir auf dem ersten Kilometer im weichen Lavasand, auch der zweite fällt nicht schwer; dann geht es langsam bergauf, auf schroffen, spitzem Stein. Stöcke wären hilfreich oder zumindest Handschuhe. Die Füße rutschen bei jedem Schritt zurück. Eine Biegung, ein steiles Stück, ein noch steileres, die nächstes Biegung, und doch schauen wir irgendwann hinein in den Krater, in schwarz und rot. Warm ist der Stein, auf dem wir stehen, fast heiß, Dampf steigt auf in kleinen Wolken. Es sitzt sich gemütlich, wie auf der Ofenbank, gestärkt treten wir den Rückweg gegen den Wind an, der den schwarzen Lavasand aufwirbelt.

Wir haben eine Verabredung in Villarica mit Stefanie und Michael in ihrer Karibuni-Lodge. Auf der Fahrt durchqueren wir den längsten Tunnel Chiles und biegen spontan auf eine Ripio-Strecke ab, die sowohl eine Abkürzung, als auch wunderschön sein soll. Hier stehen Araukarien als dichter Wald, mal reichen die Kakteen-Äste bis zur Erde, mal sehen wir nur eine Krone weit oben, mal haben die Stämme eine Borke wie ein Steinrelief, mal sind es eher Streifen. Wir fahren an klaren Flüssen entlang, am Quellsee des Biobio, übernachten umgeben von Araukarien am Flussufer. Am Morgen schenkt uns die dort sammelnde und fischende Familie eine Teil ihrer Pinien-Nüsse als Wegzehrung.

Website LavaBei Stefanie und Michael machen wir Pause vom Herumreisen, fast auf den Tag genau elf Monate nach unserem ersten Besuch. Wir schlafen auf himmlischen Matratzen in einer der schönen Cabanas, tauchen abends unter dem Sternenhimmel in die holzbefeuerte Tena und wachen am Morgen mit Blick auf den Villarica-Vulkan auf. Werden umsorgt und erfahren etwas mehr über das Leben in Chile, auch von den anderen Gästen, denn in der Lodge trifft man sich zum gemeinsamen Abendessen am großen Tisch auf der Terrasse mit Blick auf den Villarica im Abendrot.

Ein wenig traurig nehmen wir Abschied, doch Michael hat etwas Besonderes für uns arrangiert, als wir von unserem Plan erzählten, zum Villarica aufzusteigen. „Bei der Hitze ein ordentliches Stück, und ihr seht mehr bei einem Flug.” So sitzen wir dann in einem Kleinflugzeug des Fliegerklubs mit einem Piloten, dessen Mutter aus Leipzig stammt. Ich bin ja eher skeptisch bei solchen Unternehmungen und auch ein wenig ängstlich, doch schon der Flug zum Vulkan zeigt ein so neues Bild dieser Landschaft, und als der Pilot über dem Villarica die alte Cessna kippt, und wir direkt in die glühende Lava schauen, bin ich nur noch sprachlos fasziniert.

 
Wir benutzen Cookies

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.