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Willkommen

Positionsmeldung erzählt von Reisen. Manche führen aufs Meer, manche nur ein paar Schritte vor die Haustür, manche ereignen sich auf Papier, auf Bühne und Leinwand oder virtuell.

Ich freue mich über Begleitung.

 

59° 51' 48'' N, 22° 25' 18' E

 

 

website blog 45Nebelschwaden fallen filmreif in Hanko ein, mitten am Tag verschwinden Boote und Stege, Bäume und Häuser. Kaum eine Viertelstunde später ist der Spuk vorbei, strahlt die Sonne zwischen Wolken in allen Grauschattierungen.

Go west …

Jede Menge Wetter gibt es auf dem Weg nach Westen. Neben die mässig verlässlichen Berichten verschiedener Wetterdienste helfen der Blick des Kapitäns in unterschiedlichste Wolkenformationen und die Kopfschmerzen der Seefrau, die ebenso präzise wie ein Barometer einen Druckabfall vorhersagen.

Gut geschützt von Winden jeglicher Richtung und Stärke liegen wir am Schwimmsteg auf Rosalalandet, wo Kaufmannsladen und Boote bereits winterfest gemacht werden. Seit der Kapitän im letzten Hafen einem Einhandsegler beim Anlegen geholfen hat, sind wir glückliche Besitzer des Käyntisatamat, eines Handbuchs für finnische Gästehäfen, dessen Herausgeber der dankbare Segler ist. Das erleichtert die Wahl bei 1992 Anlegemöglichkeiten. Wobei die Auswahl natürlich schon durch unseren Weg eingeschränkt ist, und die ganz idyllischen Plätze angesichts der doch kühleren Abende und unklaren Wetterlage auch wegfallen, doch es bleiben noch verwirrend viele rote Segelboote — Gästehäfen, Servicehäfen oder einfach Anleger — auf der Karte, die wir anlaufen könnten.

Das Barometer fällt tief. Zeit zum Aufräumen, Putzen und für einen Landgang. Über den Wipfeln finnischer Kiefern und Birken pfeift der Wind aus Westen.

59° 58' 2'' N, 24° 26' 45'' E

 

 

website blog 43Dicht unter der Wasseroberfläche spitze Felsen, Schaumkronen an kupferbrauner Stein, duftende Kiefern auf großen und kleinen Inseln. Ein wilder, weiter Garten im Wasser, abgesteckt mit roten und grünen Stangen.

Auf Wiedersehen, Helsinki, das uns lieb und teuer geworden ist (über den Preis für das glücklich erworbene Gas schweige ich besser). Der dritte Seemann ist von Bord gegangen, zu zweit ziehen wir nach Westen entlang der Schärenküste, dem Herbst entgegen. Unwiderruflich geht es zurück, und wir reisen immer langsamer an wunderbar sonnigen Tagen. Ungewöhnlich heiß sei es um diese Zeit, sagen die Finnen — so ein Glück.

Noch genießt der Kapitän das morgendliche Bad im Meer, noch wärmt sich die Seefrau an nordischer Sonne, noch gibt es frische Zimtbrötchen zum Frühstück. In ein paar Tagen schließen die kleinen Häfen mit Kiosk und Sauna, am Himmel treiben erste Wolken, und wir segeln unbeirrt zwischen den Inseln, schauen auf Häuschen, Stege und Bänke.

Langweilig kann es sowieso nicht werden, die finnischen Seekarten gleichen Wimmelbildern, die mit dem dreidimensionalen Bild draußen ununterbrochen abgeglichen werden müssen. Oder umgekehrt: Vor unseren Augen wimmelt es nur so von Schären, Felsen und Stangen, die auf Karten und Plotter erst einmal gefunden werden wollen. Nach zwei Tagen ist die Aufregung gespannter Aufmerksamkeit gewichen, wagen wir Segelmanöver — denn was gibt es Schönes, als beinahe lautlos an Schären vorbeizugleiten?

60° 9' 13'' N, 24° 56' 51'' E

 

 

website blog 41Schlanke Rümpfe gleiten elegant durch flaches Wasser, schwarze Motoryachten lassen James-Bond-Feeling aufkommen, poliertes Holz glänzt mit Edelstahl um die Wette, und dazwischen bewegen sich Boote jeglicher Größe, jeglichen Alters und jeglicher Fortbewegungsart.

Come sail your ships around me …

Seit Tagen beschert ein Hoch mit Wind von Osten Helsinkis vielen Häfen schönste Sommertage und kühle Nächte und alle, wirklich alle nutzen noch einmal das vielleicht letzte sommerliche Wochenende für eine Fahrt auf die Schären, die vielen Felseninseln.

Vom Vereinssteg auf Skifferholmen haben wir den besten Blick auf die Stadt, die vielen Vereinsanleger, die voll besetzten Cafés. Nach der baltischen Ruhe und Einsamkeit brauchen wir Zeit für die Umstellung, putzen das Boot und genießen die Sonne.

Mit einer kleinen Fähre geht es hinüber ans Stadtufer und wieder zurück. In den Parks spielen Musiker, in Restaurants gibt es Sapas, die finnische Variante der spanischen Tapas, in den Auslagen Designmöbel und -kleidung.

Der Kapitän hat dafür keinen Blick, er muss sich um Gas für den Kocher kümmern. In Europa ist der Euro mehr verbreitet als ein einheitliches Gassystem. Fast in jedem Land gibt es andere Anschlüsse, werden mitbrachte Flaschen nicht wieder gefüllt. Kein Problem auf einer kurzen Reise, da reicht eine Flasche zum Wechseln, doch die ist nun auch leer, und da die Seefrau morgens ihren Cappuccino braucht, ist guter Rat beziehungsweise auch ein neues System teuer, falls der erforderliche Anschluss überhaupt aufzutreiben ist.

So lernen wir die Helsinki gut kennen, zu Fuß und mit dem Fahrrad, lassen uns von den entspannten Finnen anstecken, sitzen im Sonnenschein in Cafés und überlegen, ob wir nicht auch den nächsten Urlaub in den finnischen Schären verbringen sollten.

59° 26' 55'' N, 24° 43' 52'' E

 

 

website blog 40Die Boje versinkt im Wasser, das Schiff schnellt nach vorn zum Schwimmsteg, wird kurz davor zurückgerissen, schwingt zur einen, dann zur anderen Seite, pendelt langsam aus. Alle Stunde läuft eine Schnellfähre aus Helsinki in Tallinn ein und bringt Bewegung in den gerade eröffneten Port Noblessmer.

Wir liegen an einer Baustelle. Rechts bröckelt der Beton am alten Marinekai, links löst sich der Putz der verlassenen Fabrikhalle, in der ein Küchencontainer des Café Noble steht — ein Provisorium mit Stil, Loungechairs und gutem Essen. Auch hören wir hier den Sandstrahler der Werft nicht mehr. An entkernten Hallen vorbei geht es durch einen Park zur Uferpromenade oder zur Altstadt.

website blog 39Gebaut wird viel in Tallinn in diesem Sommer, über und in der Erde, selbst im mittelalterlichen Stadtkern rattern Maschinen, leuchten Fassaden frisch verputzt, glänzen Informationsschilder zur Architektur an den Hauswänden. Innen ist es dunkel, wird gebrutzelt und gebacken, Kaffee geröstet und Schokolade gerührt. Nicht nur unsere Augen bekommen reichlich Futter, auch für die Gaumen ist gesorgt.

Außerhalb der Mauern des mittelalterlichen Weltkulturerbes wird an der jungen Stadt gefeilt, spielen Kinder in großen Parks, genießen Jung und Alt die ungewöhnlich warmen Sommertage, stehen alte, russische Holzhäuser an neu asphaltierten Straßen, warten schmucklose Betonbauten auf helle Holzverschalungen, und an der alten Stadtmauer wird eine Tafel zu Ehren Boris Jelzin angebracht, der als russischer Präsident für die Unabhängigkeit Estlands eintrat — so steht es dort in Estnisch, Englisch und Russisch

Über den Dächern von Tallinn schauen wir aufs Meer.

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