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Willkommen

Positionsmeldung erzählt von Reisen. Manche führen aufs Meer, manche nur ein paar Schritte vor die Haustür, manche ereignen sich auf Papier, auf Bühne und Leinwand oder virtuell.

Ich freue mich über Begleitung.

 

58° 15' 24'' N, 17° 0' 18'' E

 

 

website blog 56Morgentau an der Reling, glasklares Wasser bis zum steinigen Grund. Hinter verschwommenen Silhouetten steigt eine goldene Sonne auf.

Wir borgen uns noch zwei Tage vom Sommer, zwei Tage im Schärenparadies. Selbst der Wind weht lau von Süd, treibt uns gemächlich voran. An dieser Ecke der Welt hat sich die Schöpfung besondere Mühe gegeben, hat den Fels blank poliert, die Bäume in tiefes Grün getaucht und dem Meer einen Seidenschimmer verpasst.

Die Fischerhäuser sind Feriendomizile geworden, nur wenige Menschen leben das ganze Jahr auf den Schären — Post, Baumaterial und Lebensmittel werden mit offenen Motorbooten geholt. Den einsamen Seglern wird freundlich begegnet: Ein Mann zeigt uns, wo wir festmachen können, ein anderer kommt mit dem alten Traktor den Abhang hinunter, um sich zu überzeugen, dass wir das Hamnengiften, die Gebühr für das Übernachten, auch an der richtigen Stelle einwerfen. Dann sind wir wieder allein.

Zwei Tage reichen bei weitem nicht … sind gerade genug für Staunen und Schwärmen. Vor zehn Jahren haben wir uns vorgenommen, noch einmal im Gryts-Skärgård vorbeizuschauen — es hat länger gedauert als geplant, es ist noch schöner als in der Erinnerung und es ist — Tusch und Trommelwirbel — unsere Empfehlung für einen Segelsommer.

But the days grow short when you reach September ...

58° 46' 48'' N, 17° 28' 50'' E

 

 

webside blog 55Homeward bound …

Schwer fällt der Abschied von Stockholm — so viel Schönheit, so viel Wasser und nicht zu vergessen: so viele gute Möglichkeiten zu speisen.

Essen hat einen hohen Stellenwert bei längeren Schiffsreisen. Nichts hält die Crew so gut bei Laune wie regelmäßiges, gutes und ausreichendes Essen und Trinken. Dabei ist einiges logistisches Geschick beim Bunkern gefragt, denn der Platz ist selbstverständlich beschränkt, ebenso die Haltbarkeit frischer Lebensmittel — zudem ist der Kühlschrank einer der größten Energiefresser an Bord. Also greift die Seefrau — je länger der Törn dauert und je abgelegener die Übernachtungsplätze sind — häufig auf Dosen und getrocknete Lebensmittel zurück. Kreativküche auf dem Zwei-Flammen-Herd.

Der Einkauf unterwegs ist Glückssache. Frische Milch gibt es meist in den kleine Läden oder Kiosken, manchmal auch Brötchen — in Södertälje sogar von der Hafenmeisterin persönlich ans Boot gebracht. Kekse, Schokolade oder Lakritz helfen beim kleinen Hunger zwischendurch, und sobald ein großer Supermarkt gesichtet wird, kaufen wir alles, was in zwei Rucksäcke und eine Fahrradtasche passt. Doch schon aus Gründen der Abwechslung sind gute Restaurants sehr willkommen.

Auf unserer Reise gab es einige gute und sehr gute, z.B. das Juuri in Helsinki, doch Stockholm belegt auf unserer Restaurantskala unangefochten den ersten Platz mit Ulla Windbladh und dem Krog und Slip. Ob Lamm mit Meerrettichsoße, Makrele mit fein abgeschmecktem Blattspinat oder Sauerrahmsorbet mit Blaubeeren und Mandelkuchen — eins so lecker wie das andere und so anregend.

Nach dem abendlichen Festmachen im nächsten Schärengebiet, umgeben von Wald und Wasser, werden in der Bordküche frisch gekaufte Zutaten neu kombiniert — zur Freude des Kapitäns, der die Stärkung gut gebrauchen kann.

59° 19' 35'' N, 18° 5' 36'' E

 

 

website blog 52Genug der Schäreneinsamkeit, der Wahnsinnsnatur, wohin man auch blickt. Der Wind steht günstig für die Überfahrt nach Schweden. Die fünfte Länderküste, Ålands Inselwelt, bleibt zurück — Stunden später taucht Schweden auf, ebenfalls mit vielen Inseln und doch ganz anders.

Bäume, dicht an dicht, in jeder Bucht Stege oder Boote vor Anker. Auf dem Meer Segler und Motorboote, große und kleine Fähren. Zwar blitzt es auch hier schon herbstgelb und leuchtend rot in den Wäldern, aber noch ist milder Septembersommer, sitzen Leute in der Abendsonne auf den Felsen und schauen aufs Wasser. Stunde um Stunde umrunden wir eine Insel nach der anderen, fahren mal nach Süden und dann wieder nach Westen auf breiten und nicht so breiten Fahrwassern.

website blog 51Im Wasahamnen, mitten in Stockholm, legen wir ein paar Tage an, muss der Kapitän nicht mehr auf Wetter und Wasserstände achten, genießt die Seefrau nach kargen Schärentagen städtischen Komfort. Boot und Kleider werden gewaschen, der leere Kühlschrank gefüllt, und warmes Wasser prasselt köstlich auf Haut und Haar.

Am Strandvägen flanieren Menschen, lassen sich auf den Treppen zum Hafen nieder, Schärensegler aus poliertem Holz in jeder Größe und Ausstattung laufen ein — es ist Bootstag mit Regatta, Siegerehrung und Festessen. Am Kai stehen Oldtimer, werden Hot Dogs und Lakritzschlangen verkauft, nebenan stehen die hohen Masten der Rummelatraktionen, schraubt sich blinkend das Kettenkarussell in schwindelnde Höhen.

Für den ersten Tag ist uns die Djurgårdeninsel genug, der Rest von Stockholm muss warten — allerdings nicht das leckere Essen im Wårdshuset, mit dem sich die skandinavische Küche endgültig einen Platz in Herz und Magen erworben hat.

59° 49' 42'' N, 21° 35' 6'' E

 

 

Am Rande des Schärenmeers, zwischen 2000 Inseln, ist es still, ab und zu braust der Wind, schüttelt Schiff und Crew durch, sonst kein Laut, nirgends.

website blog 50Der Hafen auf Jurmo hat Platz für achtzig Boote —im Sommer reicht das kaum, Anfang September liegen zwei am Steg. Strom gibt es nicht, die Duschen sollen eventuell offen sein, die Trockentoiletten sowieso, erzählt das finnische Seglerpaar, das gerade aus Schweden kommt und uns Tipps für die Weiterfahrt gibt. Mit etwas Glück finde man noch offene Serviceeinrichtungen in finnischen Häfen, viel Platz gebe es überall und unique nature.

Auch Jurmo ist Natur pur, ohne Ablenkung. Natur zum Sattsehen, Sattfühlen, Sattschmecken. Flach und felsig ist es, Heidekraut wächst und roter Storchschnabel. In den wenigen Häusern rührt sich nichts, auf den Wegen sind wir allein, und auch die Stegnachbarn sind samt Hund in ihrem Boot verschwunden. Nur am Himmel finden die vielen Sterne kaum Platz.

So lonely …

Am nächsten Tag haben wir das Meer für uns, doch was soll schon passieren? Tanks und Batterien sind gut gefüllt, Konserven ausreichend vorhanden. Zum Glück, denn auch am Ende eines engen Sunds — der dem Kapitän in der funkelnden Sonne die Schweißperlen auf die Stirn treibt —, liegt kein lebendiges Städtchen Karlsby, sondern ein Geisterhafen, in dessen verlassenem Restaurant offene Fenster klappern. An der Tankstelle gibt es weder Diesel noch Benzin; fünf vor fünf reicht die Zeit gerade noch, um Bier zu kaufen, dann schließt auch die Butik. Einen Northern könnte man hier gut drehen, mit einsamen Seglern auf der Suche nach … irgendwas oder irgendwem.

Unsere Zeit in Finnland geht wohl zu Ende.

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