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Geschrieben von Nora Lachmann


50° 28' 8,10'' S, 73° 1' 47,40'' W

 

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Blauer Himmel über dem Fitz Roy. Unwirklich. Kitschig fast, aber kann Natur eigentlich kitschig sein? Auf jeden Fall leuchtet der Berggipfel  rosarot wie Himbeereis im Morgenlicht und selbst so eine Wasserliebhaberin wie ich ist plötzlich bergentzückt

 

Beinahe hätten wir uns gar nicht erst auf den Weg gemacht so weit in den Süden, die vielen Kilometer, der Wind, die Kälte, doch den Fitz Roy muss man gesehen haben, sagten alle, den wir von unseren Plänen erzählten, und nun sind wir hier und stehen und staunen, sind in El Chalten, der Hauptstadt der Wanderer. Da sind sie, auf den Straßen mit Rucksäcken und Wanderstiefeln, auf dem Weg zum Fitz Roy oder zum Cerro Torre, junge und ältere, Familien oder Paare wie wir. Im Informationszentrum bekommen wir Tipps welcher Trek bei welchem Wetter am günstigsten ist und beschließen, ein paar Tage zu bleiben

 

Gleich beim ersten Aufstieg zieht hoch über uns einKondorseine Kreise und am nächsten Morgen zeigt sich das erste Blau hinter den Wolken, tauchen die Gipfel schemenhaft auf. Als wir am frühen Nachmittag den ersten Mirador erreichen, harren schon viele mit den Fotoapparaten auf den Moment, an dem der letzte Schleier den Cerro Torre freigibt. Sekundenlang ist die dritte Spitze zu sehen und schon wieder in den Wolken verschwunden. Unten im Tal scheint die Sonne und auf den Restaurantterrassen sitzen zufriedene Wanderer beim heimischen Bier.

 

Früh am nächsten Morgen sind alle Wolken verschwunden und die Gipfel leuchten erst  rosarotund dann golden. Wir machen uns an den Aufstieg nicht zum Gipfel natürlich, ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie man auf den Gedanken verfallen kann wir laufen auch nicht den vollständigen Sendero, sondern belassen es bei der ersten Hälfte, genießen die wunderschönen Ausblicke und kehren am Abend auf den freien Stellplatz am Dorfanfang zurück, von dem aus die Berge im Abend- und Morgenlicht zu bewundern sind. Dort stehen auch drei junge argentinische Familien mit ihren 10, 20 und 30 Jahre alten VW-Bussen. Jeden Morgen grüßen wir die Mate trinkende Runde, am Abend grüßen uns die noch Verbliebenen

 

Völlig anders ist sowohl das Städtchen El Calafate am anderen Ende des Nationalparks, von dem aus die Fahrten zu den Gletschern beginnen. Dicht an dicht fahren Wagen und Busse auf der Hauptstraße, die Läden sind voll, die Wege ebenfalls, keine Spur von Nachsaison. Zum berühmten Gletscher Perito Moreno sind es noch anderthalb Stunden Fahrt —dieses Mal in Begleitung eines deutschen Tramperpärchens — und jede Menge Stufen, bis er vor uns liegt, eher aufragt, der Gletscher, die bläulich schimmernde Wand aus festem Eis, hinter der es grollt und rumpelt, von der sich Eisbrocken lösen und mit Getöse ins Wasser klatschen. Weit führt der Weg hinauf, bietet immer wieder neue Blicke auf den Perito Moreno, den einzigen noch wachsenden Gletscher. Und ebenso wie das Meer oder die Berge sieht dieses scheinbar gleichförmige Eis immer wieder anders aus, verändert sich mit dem Lichteinfall mit Sonne und Wolken, erstreckt sich weit, so weit wie die Pampa, in der wir die Nacht verbringen.

 

Am nächsten morgen geht es mit dem Schiff hinaus in die Eiswelt. Das volle Boot und der Zufall setzt uns an die Seite von Heidi und Peter, die gerade aus der Antarktis zurück sind. Gemeinsam genießen wir Gespräche und die Fahrt zwischen den glitzernden Eisbergen, in denen es in tiefen Blau leuchtet, schaukeln nah an den hoch aufragenden Abbruchkanten der Gletscher vorbei, vor denen der gar nicht mal kleine Katamaran wie ein Spielzeugboot wirkt.

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