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Geschrieben von Nora Lachmann

47° 8' 54,6'' S, 70° 40' 57,48'' W

 

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Vor einer Woche haben wir gerade noch einen Platz auf der Fähre bekommen. Das Schiff, mit dem wir über den Lago General Carrera nach Chile Chico übersetzen, ist auch bis auf den letzten Platz besetz, doch auf den Straßen der Stadt, in Restaurants und Läden ahnen wir schon, dass der Sommer bald vorbei ist. Für die meisten Chilenen und Argentinier sind die Ferien vorbei und den Strom der Touristen zieht es eher in den warmen Norden als in den kühlen Süden.

Wir aber fahren nach Süden, zunächst jedoch in Richtung Osten über die Grenze vom schmalen Chile ins weite Argentinien. Ohne Warteschlange diesmal und auch ohne Lebensmittelkontrolle. Nur ein paar Stempel und sogar die Kopie der gestohlenen Einfuhrpapiere für unser Wohnmobil findet sich sekundenschnell im Computer des chilenischen Zolls, wird ausgedruckt unterschrieben und zu den Akten gelegt. Dann sind wir in Argentinien und die Sonne scheint. Kurz hinter Los Antigues treffen wir auf einen nigelnagelneuen, mit EU-Mitteln errichteten Nationalpark, mitten im Nirgendwo am weiten Ufer des Lago, der auf der argentinischen Seite Lago Buenos Aires heißt. Ein freundlicher Ranger fragt nach wohin und woher, bevor wir unter den tiefhängenden Ästen zum abgeschiedenen Parkplatz fahren. Der patagonische Wind pfeift über den See, doch zwischen den Bäumen sind wir geschützt für die Nacht.

Auf der Ruta 40 gibt es nicht viel zu sehen, Pampa rechts und links, ab und zu Guanakos, die elegant über die Zäune hüpfen. Da nehmen wir gern den Abzweig zu den Cuevas de las Manos, den bunten Händen und Felszeichnungen, nicht ahnend, dass die Schotterstraße Wagen und Fahrer schwer prüft. Belohnt werden wir mit einer Führung im Sonnenschein, sogar in Englisch, dafür zahlen Ausländer den doppelten Eintrittspreis, und einem herrlichen Übernachtungsplatz hoch über der Schlucht, allein unter einem weiten Sternenhimmel.

C1D4A4B3 0E97 4F90 922C A720EDEFE4B8Das ist am nächsten Abend schwer zu überbieten, da wir nach den insgesamt fast 80 km Schotter zunächst gepflasterte Straßen bevorzugen, sind wir am Abend in Gobernador Gregores, wo auf der leeren Hauptstraße vier Ampeln den nicht vorhandenen Verkehr regeln und die eigentlich schöne Anlagen am Fluss wohl vor einiger Zeit mutwillig zerstört wurden und des Wiederaufbaus harren. So weichen wir auf einen Platz außerhalb am Fluss aus. Windig ist es dort, aber das Panorama in der untergehenden Sonne dramatisch und wir sind die Rettung zweier hier gestrandeter Tramper, die wir am nächsten Morgen mit auf die Ruta 40 nehmen.

50 km vergehen in angeregtem Austausch über die Lage in Frankreich und Brasilien, die jeweiligen Heimatländer der jungen Männer, sowie das bereiste Südamerika, dann beginnt eine ausgewiesen schlimme Schotterstrecke und wir müssen uns von unseren Mitfahrern verabschieden, denn jedes Kilo Mehrgewicht im ohnehin schweren Wagen verkürzt den Federweg dramatisch und macht das Fahren auf Schotter zum gefährlichen Abenteuer. 70 km später sind wir gut durchgeschüttelt zwar noch nicht am Ziel, aber wieder auf gepflasterten Wegen und im Wohnmobil ist auch alles noch am rechten Platz und heil.