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Geschrieben von Nora Lachmann

43° 11’ 33,76’’ S, 71° 50’ 14,76’’ W

 

 

website blog 297Und dann ist der Mann plötzlich krank und auf dem Weg nach Berlin und ich bin die nächsten 13 Tage solo in Trevelin, genauer gesagt am Vinas del Nant y Fall. Ein wunderschöner Ort, umgeben von Bergen, auf deren Gipfeln Schnee liegt, ein paar Tage später sogar Neuschnee, was etwas über die Nachttemperaturen aussagt. Abgesehen davon ist es hier freundlich, sehr sicher und fern ab von jeglichen öffentlichen Verkehrsmitteln. Zum Glück gibt es Sergio und seinen Vater Rudolfo, die öfter einmal nach Trevelin oder gar Esquel fahren.

Nur bedauere ich jede Stunde mehr, dass mein rudimentäres Spanisch nicht für mehr Kommunikation ausreicht. Wie gerne würde ich mehr erfahren, als ich sehe oder aus kurzen Fragen und Antworten entnehmen kann. Doch wie immer in Argentinien ergibt sich ungeplant oder halb geplant dann doch das eine oder andere. Sergio organisiert eine cabalgata, einen Reitausflug, bei Manolo, und dort treffe ich ein Brüderpaar, die auf jeden Fall besser Deutsch können als ich Spanisch, denn die Großmutter stammt aus Deutschland und die Mutter ist sogar Deutschlehrerin. So tauschen wir uns auf Deutsch/Spanisch aus, während wir auf schönen braunen, schwarzen und gescheckten Pferden durch eine Märchenlandschaft zu einem verwunschenen See reiten, auf dem weiße Schwäne mit schwarzen Hälsen und Köpfen schwimmen. Zum Picknick sitzen wir auf einer Blumenwiese und am Ende des Tages bei Sergio bei einer Flasche Wein, und die jungen Männer verfolgen fasziniert den Vortrag über Weinanbau.

website blog 298Natürlich finden auch andere Overlander den Weg zum Weinberg. Holländer, die aus Feuerland kommen, und ein Schweizer Paar, das wegen eines Muskelfaserrisses hier strandet und mit denen ich die Gelegenheit für einen echten Welsh Tea bei der berühmten Nahm Maggie nutze. Tee und Toast und Scones mit Butter und Marmelade und dazu für jeden fünf Stück köstlichen Kuchen. Das Abendessen fällt aus. 

Zwischendurch ergeben sich auch Gespräche mit Argentiniern. Alle packen ihre Fremdsprachenkenntnisse aus, und so geht es dann Französisch/English/Spanisch irgendwie weiter.Kontakt ergibt sich schnell in Argentinien. Auch im Bus auf dem Tagesausflug nach Chile, bei dem ich als einzige Deutsche dabei bin. Sofort erklärt sich eine junge Frau bereit, mir die wichtigsten Informationen auf Englisch zu übersetzen. 20 % verstehe ich inzwischen, reime mir weitere 20 zusammen und erfrage den Rest. Die Landschaft braucht nicht viele Worte, das vielfache Grün der Wälder bis fast in die Bergspitzen, das schillernde Grün des Futaleufu, der schäumend um Felsen fließt. Hier kommt der Regen an, der auf der anderen Seite der Grenze häufig fehlt.