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Geschrieben von Nora Lachmann

43° 10’ 12,54’’ S, 71° 30’ 39,9’’ W

 

 

website blog 295Vor allem ist da der Wind — er rüttelt am Wagen, pfeift über Sand und Steine, peitscht Wellen an den Strand, fegt durchs Flusstal. Da ist er immer, in schwächerer Version eine willkommene Abkühlung in der starken Sonne, mit zunehmender Stärke zerrt er an allem, den Haaren, den Kleidern, den Nerven.

Wir sind im Chubut, queren am Fluss entlang die Mitte Argentiniens, nach ein paar Tagen am Dique Ameghino, einem Stausee wie aus dem Märchenbilderbuch, geht es nun durch die Pampa — hier gibt es nichts, aber auch gar nichts, auch keine gepflasterte Straße, die plötzlich zur steinigen Rüttelpiste wird. Schilder kündigen Bauarbeiten an oder beschreiben eine im Bau befindliche Straße. Auf dieser holpern wir voran: die Strecke ist so wenig befahren, dass jedes vorbeifahrende Fahrzeug begrüßt wird, selbst wir Fremden.

Im pfeifenden Wind suchen wir einen Platz am Rand für die Nacht, um uns herum die staubige Piste, viel Landschaft und eine verlassene Tankstelle, auf der verschiedene Wagen vor sich hin rosten. Bizarre Wolkenbilder, ein weiter Himmel und am Abend dann doch ein Gast an unsrem Rastplatz. Niedlich schaut er aus, spitze Schnauze, ein weißes Fell mit schwarzen Streifen, ein buschiger Schwanz.

website blog 296Doch hat nicht schon an einem anderen Rastplatz ein Tier an Filtern im Motorraum genagt. Hier finden wir sicher nicht so schnell jemanden, der Durchgebissenes repariert. Allerdings ist das Aufreißen der Tür keine gute Idee. Schnell dreht sich das Stinktier um und besprüht den Camper, der nun zum rosig angehauchten Himmel stinkt — tagelang. Trotz sorgfältigster Wäschen, trotz Kratzen und Schrubben, trotz Lüften. Merke: Triffst du ein Stinktier, verhalte dich still und unauffällig.

Stinkend erreichen wir also die Andenseite Argentiniens, Wintersportorte, gleich zehn Grad kühler als auf der anderen Seite. Wohin nun am Silvesterabend? Der große Campingplatz hat zu. Im Netz wird ein anderer angepriesen, etwas weiter weg von der Stadt, an einem Weinberg, fast an der Grenze zu Chile und nur über eine — wir haben es geahnt — Schotterstraße zu erreichen.

Wir machen uns dennoch auf den Weg zum Vinas del Nant y Fall und landen in einem kleinen Paradies, mit einem Teich, Standplätzen unter Bäumen und einem großen Gemeinschaftsraum - Werkstatt - Laden - Ausschank, in dem wir freundlich empfangen werden und später mit der argentinischen Familie, mit chilenischen Freunden und anderen Gästen als Silvestermenü ein Asado, am offenen Feuer gegrilltes Lamm, bekommen — und ganz köstlichen Rosé, denn schließlich sind wir an einem Weinberg. 2019 kann beginnen