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Geschrieben von Nora Lachmann

42° 34’ 34,74’’ S, 64° 16’ 34,62 W

 

 

website blog 293Eigentlich sind wir Ende Dezember viel zu spät dran für die großen Wale in den Buchten der Halbinsel Valdés. Deswegen und wegen des Reifens und wegen des schönen Strands in San Antonio haben wir uns nicht sonderlich beeilt, um hierher zu kommen. Wir haben sogar noch auf dem Weg an zwei schönen Buchten übernachtet (und dennoch immer, und das bislang vergeblich, nach Walen Ausschau gehalten).

Im Informationszentrum des Nationalparks wartet die erste Überraschung: „We have whales, two mothers with their babys.” Also nichts wie hin nach Puerto Pyramides, der kleinen Stadt, von der aus die Waltouren abgehen und in der sich auch der einzige Campingplatz befindet. Eine Tour finden wir schnell und auch den Campingplatz, auf dem wir bei der Suche nach einem nicht allzu hässlichen Plätzchen im Sand steckenbleiben. Bei mindestens 30 Grad in der Mittagshitze, der Platz ist wie ausgestorben. Was nun?

Doch kaum ist der Mann auf dem Weg zum kleinen Kiosk, kommen ihm auch schon fünf Männer entgegen, die schieben und ruckeln und so mit Kraft und Vollgas den Wagen aus der Kuhle bekommen. Entnervt und erleichtert parken wir am Waschhaus und gehen erst einmal Wale schauen.

website blog 294Über die lange Sandstrecke der Ebbe wird das Boot von einem Traktor ins Wasser geschoben, rast um die Insel und gerade als sich bei allen Mitfahrern schon ein wenig Enttäuschung breit macht, taucht ein dunkler Rücken auf, gleich daneben noch einer, nur etwas kleiner — das Baby ist ein ziemlicher Brocken. Eine ganze Weile schwimmen und tauchen die beiden neben dem Boot her, spritzen Fontänen in die Luft und steigen sogar auf, um mit einem Schlag der imposanten Flosse wieder zu verschwinden. 

Den Campingplatz verlassen wir dann doch und stellen uns lieber auf einen benachbarten Parkplatz, auf dem trotz Verbotsschild schon ein paar andere Camper stehen, schlafen ruhig bis zum nächsten Morgen, als eine Gruppe Jugendlicher den ersten Weihnachtsfeiertag lautstark feiert.

Zum Frühstück suchen wir einen neuen Platz, schauen dort verträumt auf die Flut, die vom Wind fast bis zum Wagen getrieben wird. „Schau mal, da geht jemand, der hat die gleichen Sandalen wie wir”, sage ich und zeige nach draußen. „Hmhm”, murmelt mein Mann. Eine halbe Stunde später stellt er fest, dass es wohl seine Sandalen gewesen sind, die der junge Mann als überraschendes Weihnachtsgeschenk an unserem Übernachtungsplatz gefunden hat.