Geschrieben von Nora Lachmann

40° 49’ 2.94’’ S, 64° 45’ 52.98’’ W

 

 

website blog 290Im riesigen Argentinien, dem zweitgrößten Staat Südamerikas,  gibt es viele Stellen, an denen man mit einem Wohnmobil stehen kann. Es gibt auch viele Campingplätze; die Argentinier sind gerne draußen; wo es geht, wird Picknick gemacht, gegrillt, geangelt oder einfach nur zusammen gesessen und Mate getrunken. Der große Boom muss irgendwann Ende der Neunziger gewesen sein, denn die meisten Campingplätze schauen so aus, als hätte man sie danach dem Zahn der Zeit überlassen. Freundlich sind die Menschen überall, auch für nur ein Zelt oder nur ein Campmobil wird die Anlage geöffnet, werden Formulare ausgefüllt und Duschen angestellt.

Freies Campen ist natürlich schöner, nicht nur wegen der gewöhnungsbedürftigen Sanitäranlagen der Campingplätze, die wir nach den ersten Versuchen lieber nicht mehr nutzen. Doch Kontakt zu Südamerikanern bekommen wir hauptsächlich auf den Plätzen. In San Miguel del Monte zu einer Familie, deren Vorfahren in den 50er Jahren aus Italien eingewandert sind; in Azul zu zwei Lastwagenfahrern, Vater und Sohn, die am Wochenende Camping machen; in Fortin Mercedes zu einem jungen Kolumbianer, der mit einem Moped durch Argentinien reist, gut Englisch spricht und Französisch lernen möchte, um nach Europa zu reisen. Aber auch an den Tankstellen tönt uns ein „Que hermoso!” entgegen. Man fragt, woher wir kommen und bewundert das Fahrzeug, freut sich über ein paar deutsche Sätze, die man irgendwo aufgeschnappt hat und ist überhaupt begeistert.

website blog 291Das sind wir auch auf dem Weg nach Patagonien, und wissen schon nach kurzer Zeit, warum es so viele Gomerias gibt. In Viedma haben wir den ersten Nagel im Reifen — eine Panne, die in eine Viertelstunde behoben ist. Muttern lösen, Fahrzeug aufbocken, Loch im Wasserbad finden, kleben, Reifen auf die Felge. Macht der junge Mann offensichtlich nicht zum ersten Mal. Das Reserverad bleibt festgeschnallt im Kofferraum.

Weit kann man sehen auf den schnurgeraden Straßen durch das Land. Von Weitem sehen wir die dunklen Wolken, die schwarzgraue Wand aus der helle Blitze schlagen. Da hinein fahren wir, von 30 Grad kühlt es ab auf 16, rechts und links blitzt es und dann bricht es aus den Wolken kübelweise. Pfützen auf den Straßen, kaum Sicht, 10 Minuten lang, dann ebbt es ab, der Himmel wird wieder blau und wir steuern zum Geheimtipp: San Antonio d’Este, fahren wir auf einen Muschel-Kiesel-Strand, stehen direkt am Meer. Fast allein an einem Strand, von dem wir weder das eine noch das andere Ende sehen. Hier gibt es weder Handempfang noch WiFi, dafür Flut und Ebbe, Atlantikwellen, in denen wir baden, köstliche Meeresfrüchte in den Restaurants, warme Tage und ruhige Nächte. Und jeder Tag beschert uns einen andereren, womöglich noch dramatischeren Sonnenuntergang.