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Geschrieben von Nora Lachmann

34° 37’ 2.58’’ S, 58° 21’ 30.54’’ W

 

 

website blog 288„Ohne Reserverad nach Patagonien, würd ich mich nicht trauen!” Nicht nur einmal haben wir das gehört, und nun ist auch der Mann von der Notwendigkeit eines Reserverads überzeugt, mit dem unser neues Wohnmobil leider nicht ausgerüstet ist — stattdessen gehört ein Erste-Hilfe-Schaum-Set zum Lieferumfang, wenig hilfreich bei einem auf patagonischen Schotterstraßen zerfetzten Reifen, wie wir aus lebhaften Schilderungen erfahren. In Uruguay gab es für unseren Sprinter kein Rad, weder in einer der vielen Gomerias noch bei der Mercedes-Vertretung in Montevideo. 

Aber nun sind wir in Buenos Aires — in einer Stadt mit mindestens 13, aber wohl eher 15 Millionen Einwohnern dürfte der Kauf eines Reserverads doch kein Problem sein. Nach der rasanten Fahrt mit der Schnellfähre über den Rio de la Plata und genauer Überprüfung von Zoll und Gesundheitspolizei (samt Spürhund) rollen wir auf argentinischen Boden und gleich in den ersten Stau. Um den Hafen herum ist eine Riesenbaustelle und der sowieso schon viel zu dichte Verkehr würde vollkommen zusammenbrechen, wenn nicht an allen Kreuzungen Frauen und Männer mit Warnwesten ständen, die regelnd eingreifen. Immerhin sehen wir rechts und links von uns viele Sprinter und schöpfen Hoffnung.

Meter um Meter kämpft sich der Mann mutig voran zu einem möglichen Stellplatz in der Stadt (dank einer App —IOverlander— haben wir die Koordinaten). Schön ist es da nicht und noch dazu laut und außerdem ist da ja noch das Reifenproblem, also auf zum argentinischen Automobilclub, wieder in den Stau, nun in eine andere Richtung, zur Avenida del Libertador, wo wir tatsächlich am ziemlich beeindruckenden mehrstöckigen Gebäude des ACA einen Parkplatz finden. Viel mehr aber auch nicht! Die vier Damen in der Tourismus-Etage sind mit Telefon und Monitor beschäftigt. Nein, eine Mitgliedschaft würde uns nichts bringen, denn im Süden hat der ACA kaum Campingplätze, Pannenhilfe gebe es auch nicht und wo man einen Reifen bekommen könnte, könnten sie auch nicht sagen. Eine Straßenkarte könnten wir kaufen.

website blog 289Vom Pannendienstwagen vor der Tür bekommen wir immerhin eine Adresse, doch die spanische Wegbeschreibung führt in die engen Straßen der Innenstadt in weitere Staus und letztlich in die Irre. Wir versuchen es auf einer Tankstelle, erhalten weitere Tipps für Gomerias und finden: einen Venezolaner, der Englisch spricht, aber nicht den passenden Reifen hat; einen Argentinier, der auch nicht den passenden Reifen hat, uns aber auf Spanisch mit einer neuen Wegbeschreibung weiterschickt, die wieder in die Einbahnstraßeirre führt; einen älteren Argentinier, der zwar auch kein Mercedesrad hat, aber sein Handy zückt per Sprachbefehl: „Llanta Mercedes Sprinter.” eingibt. Er schickt uns zu Fuß los, das sei sicherer und tatsächlich können wir manana einen Reifen, aber keine Felge bekommen. Und am nächsten Tag kommt es noch besser: Manana ist der komplette Reifen zu haben. Ein bisschen was von der Stadt gesehen haben wir auch und drei Tage im neuen Hafenviertel Puerto Madero unter dem Schutz vieler Polizisten und Wachmänner zwischen Parks und Hochhäusern übernachtet.