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Geschrieben von Nora Lachmann

34° 18’ 55’’ S,  57° 13’ 52’’ W

 

 

website blog 286 Im Schweizer Paradies ist es friedlich. Knapp achtzig Kilometer östlich von Montevideo liegt das Gelände von Heinz und Maria, Anlaufstelle für europäische Overlander, die mit eigenem Fahrzeug über Landesgrenzen hinweg diesen Kontinent bereisen. Hier kann man sich für die monatelange Fahrt rüsten oder nach der Reise das mobile Zuhause wieder für die Verschiffung in die Heimat präparieren oder es über Monate in der sicheren Obhut von Heinz stehenlassen, um noch einmal wiederzukommen und die Reise fortzusetzen. Entsprechend gemischt sind Besatzung und Fahrzeuge; es gibt umgebaute Lastwagen und Jeeps mit Reifen, die durch Geröll und Schlamm fahren können, dann Kastenwagen unterschiedlich in Alter und Ausstattung und unser Wohnmobil, um dessen Tauglichkeit für den Süden Argentiniens und Chile wir nun doch bangen. Was haben wir uns da bloß vorgenommen?

Dabei lief bei der Ankunft in Montevideo alles glatt, Einreise und Einfuhr des Fahrzeugs war überhaupt kein Problem, Euro-Diesel bekamen wir auch, doch schon beim Gas war Schluss. Das gab es erst am nächsten Morgen. Also zurück in die Stadt und vom Schlafplatz am Leuchtturm die Lichter der langen Strandpromenade genießen. Dank Erwin und Rita mussten wir dennoch am Morgen nicht auf den Cappuccino verzichten; in weiser Voraussicht hatten sie noch etwas Gas in der Flasche behalten. Merke: Nicht immer allen Weisungen trauen, auch wenn sie schriftlich vom Reiseveranstalter kommen. 

website blog 287Ins Schweizer Paradies haben wir uns dann nach dem Ausfall des Navi gerettet und machen nun lange Spaziergänge am Strand, brüten mit anderen über Streckenplänen und bekommen Tipps. So verschieden wie die Fahrzeuge sind auch die Reisenden. Ein deutsches Paar in unserem Alter, das seit Jahren hierher kommt und in den Süden reist (der rote Kastenwagen mit Doppelbereifung hat schon viel von Argentinien gesehen und wird auch diese Reise noch schaffen), Österreicher, die ein Jahr unterwegs sein wollen, auch in Bolivien und Peru, und Schweizer, die ihre Hochzeitsreise sogar für anderthalb Jahre geplant haben (beide Paare sind mit einem Jeep unterwegs, da heißt es ganz genau packen). Am Tag unserer Abreise kommen Spanier vor einer mehrmonatigen Reise zurück, sie wollen Weihnachten mit der Familie verbringen und im nächsten Jahr wiederkommen.

Unser nächster Halt ist Nueva Helvetia, im 19. Jahrhundert sind dort Schweizer Familien eingewandert und wir kommen gerade richtig zum 50. Bierfest, das mit einem großen Umzug in alten Trachten beendet wird. Entlang der Haiptstraße sitzen Leute aus den umliegenden Gemeinden auf Campingstühlen und trotzen dem kühlen Wind. Alle sind beim Umzug dabei: die Bierfestköniginnen aller fünfzig Jahre, Chöre, Musikschulen, Behinderteneinrichtungen, das Seniorenheim und der Kindergarten. Schweizer Weisen, deutsches Liedgut und südamerikanische Folklore wird gesungen, auf Posaunen, Trompeter, Gitarren und Schlagzeugen gespielt.