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Geschrieben von Nora Lachmann

14° 40’ 36’’ N,17° 26’ 35’’ W

 

 

website blog 279Das Schiff treibt. Seit dem späten Nachmittag machen wir keine Fahrt mehr. Der Hafen in Dakar ist voll, aufgrund der Sicherheitslage will der Kapitän dort nicht vor Reede liegen und so treiben wir eine Tagesreise von Dakar entfernt auf dem Atlantik. Ab Sonnenuntergang ist das Schiff hell erleuchtet, die Generatoren laufen auf Hochtouren und die Türen an Deck werden fest verschlossen. Erst am Sonntagmorgen steuert der Kapitän das Schiff in den Hafen. Wie klein die Menschen sind, die am Kai stehen und mit Hilfsleinen die dicken Trossen des Frachters auf die Pöller ziehen. Knapp eine halbe Stunde dauert es, ehe wir fest liegen und dann beginnt das Warten: Wann können wir an Land? Und wie lange? Der Vormittag vergeht. Es wird einklariert, der Zoll kommt an Bord. Nach dem Mittagessen warteten wir weiter auf Informationen.

Irgendwann heißt es, wir sollen um 18 Uhr wieder an Bord sein. Aber noch fehlen die Papiere und der zuständige Offizier muss auch erst einmal essen. Endlich kann unser Grüppchen zur Rampe, doch nun fehlen Helme und Sicherheitswesten, ohne die man das Hafengelände nicht betreten darf. Wir warten an der Laderampe. Die Züge, die in Le Havre aufgenommen worden, werden ausgeladen, andere Güter kommen an Bord. Die Lademannschaft bekommt ihr Mittagessen. Es ist heiß. Und dann bekommen wir Helme und Westen, werden von Bord und auf markierten Wegen zur Sicherheitsschleuse geleitet, passieren ein automatisiertes Drehtor und werden an der Baracke aufgehalten. Wir haben zwar unsere Papiere, doch eine Liste fehlt, ohne die wir nie wieder das Gelände betreten können, wird uns mit vielen Worten versichert. Also verschwindet unser Begleiter zum Schiff, um die Liste zu holen.

website blog 278Es wird immer heißer. Wir suchen Schutz im kaum vorhandenen Schatten, Stühle werden herausgegeben, Fahrzeuge verlassen den Hafen, andere fahren hinein. Menschen gehen hinein und hinaus. Wir warten, die Füße schon fast auf afrikanischem Boden. Um zwei stehen wir dann durstig auf der Hafenstraße in Dakar und machen als Erstes halt am Casino du Port, um etwas zu trinken und Geld zu wechseln. Im Casino ist es dunkel, nur die Automaten blinken bunt und hell, aber davor sitzt man an kleinen Tischen in bequemen Sesseln. So gestärkt laufen wir durch die sonntagsruhige Stadt, vorbei an Marktständen, an vielfarbig gewandeten Frauen, an Männern in Jeans und T-Shirt. Überall stehen Taxis, ebenso viele fahren herum und hupen, um uns auf sich aufmerksam zu machen. Doch wir laufen lieber zur Markthalle, zum Strand, an schlafenden Menschen vorbei, an Sicherheitsleuten vor Banken, an Baugruben für Hochhäuser. Das Meer schimmert fast smaragdgrün.Im Hafen ist großes Sicherheitsaufgebot, der Minister kommt, um die gelieferten Bahnen zu begrüßen, die bald von der neuen Station abfahren werden. Die Wachen am Tor schwatzen gerne, schade, dass mein Französisch so begrenzt ist. Sie wollen unsere Meinung zu Dakar wissen, erzählen, dass sie außerhalb leben und jeden Tag 200 km zur Arbeit fahren. Wir nehmen unsere Helme und Westen und laufen zum Schiff.

Weit nach Mitternacht legt die Grande Nigeria ab. Etwa eine Woche wird die Überfahrt nach Südamerika dauern.