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Geschrieben von Nora Lachmann

18° 5’ 58’’ N, 15° 58’ 16’’ W

 

 

website blog 281Im Hafen von Vigo dürfen wir von Bord. Das ist keinesfalls selbstverständlich. Kreuzfahrtschiffe laufen Häfen an, damit die Passagiere sich den Ort anschauen können, Frachter dagegen laufen Häfen an, um Fracht zu löschen oder zu bunkern. Ob die wenigen Passagiere an Land kommen hängt dabei von vielen Faktoren ab: 1. Zeit der Ankunft (bei Nacht ist ein Landgang nicht möglich). 2. Zeit der Abfahrt ( ist die Liegezeit zu kurz, darf man auch nicht raus). 3. Entfernung des Containerhafens von der Stadt (liegt der Frachthafen zu weit draußen, kann es sein, dass die Liegezeit im Hafen wieder zu kurz für Ausflüge ist). 

In Le Havre blieben alle an Bord, in Vigo passt es nun. Nach ein paar Tagen auf See wäre es gut, festen Boden zu spüren und längere Strecken zu laufen, ohne im Kreis zu gehen. Eine Runde auf dem Brückendeck sind für mich ca. 250 Meter, am Tag laufe ich drei Mal die acht Runden. Doch ganz sicher ist die Sache mit Vigo nicht. Erst heißt es, wir können, am Morgen dann, es geht doch nicht, und ein paar Stunden später kommt vom Kapitän persönlich die Ansage: Es geht an Land. Merke: häufiges Nachfragen lohnt sich. Nach den Formalitäten (Fotokopien der Pässe, Listeneintrag, Telefonnummernaustausch wandert unser Trupp durch den Hafen unter den erstaunten Blicken der Ladenden und der Fahrer. Im Hafen läuft niemand außer uns, alle sitzen sicher in ihren Fahrzeugen.

website blog 280In der Stadt wandern wir durch steinerne Gassen, schon festlich geschmückt mit Leuchtgirlanden zu Weihnachten. Der Mann und ich wählen den Weg zur alten Festung. Über steile Treppen geht es nach oben, doch zur Belohnung winkt der weite Blick über die Bucht bis hin zur Grande Nigeria und auf dem Rückweg das kleine Café Matina, in einem Teil der Altstadt, der mit neuen Fenstern und Türen modernisiert wird. Das Café ist in Pastellfarben eingerichtet wie eine Puppenstube, es gibt nur wenige Tische, die beinahe alle besetzt sind. Die jungen Leuten verkaufen Bio-Honig, ganz köstliche Mandeltörtchen und leckeren Zitronenkuchen. Zum Frühstück gibt es Café, auch mit Soja- oder Hafermilch, Schokolade, Tee und dunkles Brot, sowie frisch gepresste Säfte. 

Um halb vier verlässt der Frachter die Bucht, der sinkenden Sonne entgegen geht es wieder hinaus auf den Atlantik, vorbei an kleinen Inseln im weißen Dunst. In fünf Tagen landen wir in Dakar, vielleicht auch in sechs, je nachdem ob der Platz am Kai der Grimaldi-Schiffe frei ist. Das Schiff schafft in 24 Stunden etwa 300 km. Dem Tag folgt die Nacht, folgt ein weiterer Tag. Es wird warm, wir bringen die Liegestühle an Deck, schauen ins Blau, dem zarten Blau des Himmels, dem satten Blau der See, dem Weißblau der Wellen, dem Türkisblau, das dazwischen aufgewirbelt wird. Die Wellen klatschen rhythmisch an den Rumpf und plötzlich ist da noch ein anderes Geräusch, ein anderes Klatschen. Ein Schwarm Delfine surft auf den Wellen, die das Schiff ins Wasser pflügt. In Gruppen springen sie empor. Zu zweit, zu dritt, zu fünf, kreuzen einander, als würden sie unter dem Schiff hervorschießen, uns begleiten und dann wieder zurückfallen. Mütter mit Kinder, kleinere junge Delfine, größere. Es sind sicher 30 oder 40. Und es kommt noch ein zweiter Schub, ein dritter. Silberne Rücken, dunklere Seiten — ein elegantes Ballett, ein Spiel auf See.