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Geschrieben von Nora Lachmann

55°  33,5’ N,14° 21,5’ E

 

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„Willkommen in Bergkvara”, sagt der nette Hamnkaptain, als er mir die Festmacherleine zurückgibt. Warum sind wir bloß all die Jahre an diesem netten kleinen Hafen vorbeigefahren? Meist versuchen wir möglichst schnell durch den Kalmarsund zu kommen, aber heute waren zwanzig Meilen bei viel Wind genug, und so landen wir in einem der ältesten Häfen an der Küste von Blekinge. Statt Fischerbooten legen nun Freiheitskipper an der Halbinsel Dalskär an. Gasthafen und Campingplatz sind ein Familienbetrieb, beim Bezahlen bekommen wir ein Faltblatt, auf dem neben Informationen auch die Fotos von allen, die hier an der Kasse oder im Restaurant arbeiten, abgedruckt sind. Für die wenigen Schiffe und die nur etwas größere Gruppe Camper reicht im Augenblick eine kleine Besatzung.

„Seit gestern haben wir Nachsaisonpreise”, sagt der junge Mann, der kassiert und uns Fahrräder ausleiht. Von Bergkvara gibt es vier verschiedene, gut ausgeschilderte Fahrrad- und Wandertouren. Wir fahren an Feldern vorbei, an kleinen Dörfern, an Feriensiedlungen zum Naturschutzgebiet Örarevet — im Sommer ein beliebtes Ausflugsziel zum Picknicken und Baden — heute sind wir allein am leeren Strand. 

Noch weniger Schiffe liegen in Stenshamn, unserem nächsten Hafen, im östlichen Schärengebiet vor Karlskrona. Die Hafengebühr hinterlegen wir in einem Briefumschlag, die Anmeldung füllen wir selbst aus in dem kleinen Holzhäuschen mit dem Schild Hamnkontor. Eigentlich sind es zwei Inseln, ein Steinwall führt auf Utlängan, die größere, auf der ich einsam wandere.

website blog 273Ganz anders ist es am Wochenende in Simrishamn, einem Hafen an der Küste, der von vielen Seglern als Zwischenstation angelaufen wird. Hier warten Deutsche und Dänen auf den richtigen Wind nach Süden und Westen. Die Schweden feiern. Am Kai gibt es Eis und Pfannkuchen, Handwerkliches und Folklore. Geschäfte und Straßen sind voll , auf dem kleinen Platz spielt eine Band und die Frauen tanzen. Sogar das Wetter spielt mit: Die Sonne scheint genau bis 15 Uhr. Dann packen die Musiker ein, die Geschäfte schließen, die Stände werden abgebaut. Nur die Kinder stehen noch in hohen Angerhosen im Wasser am Tullhusstranden, tauchen orangerote Sichtgeräte ins Nass und schauen, was sich dort unten bewegt.

Wir schauen mit Bangen in den Wetterbericht. Morgen kommen wir nicht zurück nach Rügen. Mit Donner und Blitz verabschiedet sich der letzte Sommersamstag.