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Geschrieben von Nora Lachmann

55° 18.88' N, 14° 69,94' E

 

website blog 258Will man von Rügen aus mit dem Segelschiff nach Schweden, kann man die Südküste ansteuern, so der richtige Wind herrscht — stark genug, um mindestens 6 Knoten zu fahren (der Weg ist weit) und wenn möglich aus südlicher oder westlicher Richtung.

Nach fünf Tagen in Sassnitz wollen wir nicht länger warten. Nordwest auf West drehend, 4-5 Windstärken, See 1 Meter sagt der Wetterbericht um sechs Uhr morgens. Das könnte klappen. Um sieben stechen wir in See, zunächst Richtung Bornholm. Wenn der Wind nach West dreht, laufen wir Schweden an.

Die ersten drei Stunden sind Segelvergnügen, 7,5 Knoten auf der Logge (7,5 Meilen in der Stunde), wir gleiten über die blaugraue See mit kleinen Schaumkrönchen. Solche Stunden sind ein Grund, weshalb es uns jedes Jahr aufs Meer zieht. Die Kreideküste bleibt hinter uns zurück, nur da und dort noch ein anderes Segel, das sich immer weiter entfernt.

Auf halbem Weg wird ein Windpark gebaut, der mit fünf Meilen Abstand umfahren werden muss. Das wissen wir noch vom letzten Jahr. Heute kommt mir das Gebiet noch größer vor und es drehen sich viele Windräder. Gebaut wird immer noch. Den Abstand halten wir dieses Mal, doch der Wind nimmt zu und die Wellen werden höher, was mein Magen übel nimmt.

„Wir sollten reffen”, sagt der Kapitän und das tun wir, nachdem wir die Baustelle umfahren haben. Schweden ist keine Option mehr, die vier Stunden bis Bornholm sind mir völlig genug. Ich konzentriere mich auf den Horizont und atme tief ein und aus. 

Die Küste kommt in Sicht und der Wind dreht auf West, das Schiff geigt auf den Wellen, die vor Bornholm immer besonders kurz und steil sind. Wir sind immer noch schnell und schon am Nachmittag im Hafen von Hasle, bekommen gerade noch einen Platz am Kai. Und da liegen wir nun, mit Blick auf den Wellenbrecher und die Sonne, und das ist der zweite Grund für einen Sommer auf dem Schiff. Geborgen im Hafen, das Meer vor Bug und Heck. Im kleinen Freibad springen Kinder ins Wasser, im Strandcafé gibt es Eis und der Kapitän springt von Bord ins Wasser. Ich wärme die angestrengten Muskeln in der Sonne.