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Geschrieben von Nora Lachmann

54°19’ 06’’N, 13°05’51’’E

 

 

website blog 257Leinen los für sieben Wochen Segeln auf der Ostsee, Ankern in den Schären, Stille auf dem Schiff. Der Proviant ist verstaut, die Weinflaschen lagern bruchsicher unter Zeitungspapier in verschiedenen Schapps. Wasser- und Dieseltank sind gefüllt, eine zweite Gasflasche ist an Bord, Tauchzeug, Werkzeug, das wir hoffentlich nie brauchen werden, und mehrere Meter Bücher, für die wir nun viel Zeit haben. Wir verlassen den Heimathafen, der Wind steht gut.

„Irgendwas stimmt nicht mit dem Motor”, sagt mein Kapitän, als wir die letzte Tonne hinter uns lassen und in den Strelasund steuern. Ein Satz, der die Freude doch etwas dämpft; Irgendwas kann alles Mögliche bedeuten, in der Regel einen längeren Aufenthalt zur Fehlersuche und Reparatur. Damit haben wir Erfahrung. Doch dieses Mal wird der Fehler schnell gefunden und gerichtet. Wäre ja auch jammerschade bei dem schönen Wind wieder zurück zu fahren. Schon sind wir im Greifswalder Bodden und segeln Richtung offenes Meer. Es läuft gut mit dem neuen Vorsegel (das zweite innerhalb von zwei Jahren, und das ist wieder eine andere Geschichte).

 Hinter der langen Spitze von Rügen sind sicher weniger Wellen, dann werde ich Kaffee kochen, denke ich gerade, als die Fahrt stockt und ein schrecklich schabendes Geräusch ins Cockpit dringt. Steine! Dabei ist das Wasser laut Karte tief genug. Mein Kapitän reißt das Steuer herum, startet den Motor; es schabt noch einmal, dann sind wir frei. An Kaffee ist nicht mehr zu denken, auch weil der Wind sich nicht an die Wettervorhersage hält und einfach weiter bläst statt abzuflauen. Noch drei Stunden bis Sassnitz … „Der Motor ist immer noch nicht in Ordnung”, sagt mein Kapitän. Das ist im Augenblick noch nicht dramatisch, denn wir segeln wieder — bis fast in den Hafen. Der Motor hält durch beim Anlegen.

Am nächsten Morgen wird aus dem Irgendwas eine sehr konkret gebrochene Stelle in der Motorschaltung: Die ersten vier Tage unseres Urlaubs verbringen wir so in Sassnitz, putzen, reparieren, kaufen ein, kommen mit den Nachbarn ins Gespräch („Grämen sie sich nicht, auch bei neuen Booten geht was kaputt.”), genießen die Sonne und warten darauf, dass am Montag die Metallwerkstatt wieder öffnet. Wir haben Zeit — viel Zeit — bis die gebrochene Schaltung gerichtet ist. 

Am Abend schauen wir auf den Wetterbericht: Mit dem Wind kommen wir sowieso nicht nach Schweden.

Nachtrag: Inzwischen hat schon das dritte Boot neben uns an und wieder abgelegt, wir kennen den Hafen gut, haben alle Galerien besichtigt und mit der Bahn einen Ausflug nach Lauterbach gemacht, um ein weiteres Ersatzteil für die Schaltung zu besorgen. Morgen wird das Schiff geputzt. Es ist Regen angesagt.