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Geschrieben von Nora Lachmann

56° 17’ 43’’ N, 25° 58’ 46’’ E

 

 

website blog 248Von der kleinen Fähre führt eine Sandpiste nach Zasa. Rechts und links Felder im Nirgendwo. Der Ort ist klein, aber aufgeräumt. Doch wo ist die Mühle? Am See. Wir finden ein Internat, eine Schule und dann doch die Mühle mit dem kleinen blauen Campingschild, das in einen liebevoll angelegten Garten vor dem ruhigen See führt, in dem sich Bäume und Wolken spiegeln.

Wieder werden wir auf Deutsch empfangen. Der Besitzer Hardy ist gerade da mit seinem Neffen. Wir sind die einzigen Campinggäste, dürfen uns vor die Terrasse zwischen den Weiden an den See stellen und werden auch gleich am Abend zum Grillen eingeladen. In der Mühle sind Fechter aus Thüringen untergekommen, denn im kleinen Zasa ist ein Jugendfechtertreffen.

Zu Thüringer Bratwürsten, lettischem Bier und Wodka wird erzählt: Zuletzt gemahlen in der Mühle wurde Ende der 1980er Jahre. 2005 hat Hardy das verfallene Gebäude gekauft und Stück für Stück renoviert. Das Dach gedeckt, Fenster und Türen eingesetzt, Stahlträger abgeschmirgelt, Mauerwerk ersetzt … 

website blog 249Wenn man in einem kleinen lettischen Dorf so eng mit den Leuten zusammenarbeitet, fällt einem auch die Armut auf, sieht man, dass es oft schon am Notwendigsten fehlt. Es musste etwas geschehen.

„Die ersten 7,5 Tonnen Laster hab ich selbst runtergefahren, Sachen aus der Firma, von Freunden und Bekannten. Auf der Fähre gab’s immer Rabatt. man muss die Leute bloß ansprechen, dann helfen sie gerne.” So ist die Aktion immer größer geworden. Jedes Jahr fährt nun ein Vierzigtonner nach Lettland. Die Fechter sind ebenfalls mit von der Partie, ein Vater ist Zahnarzt und behandelt kostenlos. 

Das Holz in der Feuerschale glüht. Fledermäuse steigen in den lichtblauen Abendhimmel. Es ist friedlich auf der langen Holzbank vor der Mühle mit dem Schriftzug Zasas Dzirnavas. Wir werden bleiben, werden im rötlichen Moorwasser des Sees schwimmen, werden im Kanu unter zwei Brücken hindurch paddeln, werden vor der Mühle sitzen und auf den See schauen. Werden im Gespräch bleiben mit unserem herzlichen Gastgeber. Noch einen Tag.