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Geschrieben von Nora Lachmann

57° 51’ 59’’ N, 16° 41’ 49’’ E

 

 

website blog 229Und dann sind wir endlich dort, sind am Ziel unserer Segelreise, sind in den Schären. Um uns herum kleinere und größere Felsen — mal kahl, mal mit Baum oder Strauch bewachsen — umspült vom Meer. Rote und grüne Stangen zeigen den Weg, zwischendurch ein Blick auf Plotter und Karte, die Wassertiefen anzeigen, die im vorigen Jahrhundert vermessen wurden und sich seitdem nicht geändert haben.


Wie oft sind wir schon zwischen Figeholm, Västervik und Loftahammar gesegelt — zuerst mit einem Trailerboot, das die Fähre nach Schweden gebracht hat, dann mit einem etwas größeren Boot auf dem Weg zum Götakanal, und dann mit einem noch größeren auf dem Weg von Finnland nach Hause. Immer wollten wir irgendwann einmal mit mehr Zeit diese Gegend erkunden, und immer noch gibt es neue Inseln und Buchten zu entdecken, immer noch ist es aufregend und immer noch ist es einfach großartig mitten in einer Bucht vor Anker zu liegen, nur umgeben von Wasser und Fels und Bäumen, oder am Fels anzulegen und die Insel zu entdecken. Allein sind wir natürlich nicht, selbst in einem kühlen August nicht, aber doch irgendwie außerhalb des Festgefügten. Als würden wir mit dem Wohnwagen einfach stehenbleiben, wo es uns gefällt, nur ist der Wagen ein Boot und wir müssen nach Wind und Wetter Ausschau halten, wenn wir einen Platz für die Nacht wählen.


Hilfreich sind Handbücher für die Naturhäfen, vor allen, wenn wir wirklich wie die Schweden an einer Schäre anlegen wollen. Da ist es gut zu wissen, an welcher Stelle das Wasser tief genug ist, um heranzufahren und das Boot an Land festzumachen. Noch hilfreicher sind die Schweden, die am Ufer stehen, miteinander beratschlagen und uns dann einweisen. Heckanker raus und schon liegen wir in einer Reihe mit ihnen an Björkholmen. Vom Wind abgeschirmt in der Sonne. Vagabunden im Meer.


website blog 230Wir haben alles, was wir brauchen. Einfache Kleidung, einfaches Essen, einfaches Dasein — so das Wetter mitspielt.
Am nächsten Tag soll es Starkwind geben. Aus Südwest. Da schützt uns die Schäre. Doch hält auch der Anker? Wir bringen ihn weiter raus, gesichert am Ufer mit langer Landleine. Gerade rechtzeitig vor einer Regenfront, die mit über 30 Knoten durch die Bucht fegt. Die Böen fallen ein, das Wasser brodelt; ein ankommendes Schiff muss die Bucht wieder verlassen und warten, bis der Wind sich beruhigt hat, ehe es anlegt. Es bläst schwächer, die Sonne zeigt sich wieder. Der Anker hält immer noch nicht. Noch einmal ablegen? Der Schwede vom Nachbarboot fragt, ob wir nicht sein Beiboot dafür nutzen wollen. Schwingt sich ins Gummiboot, rudert zum Anker, holt ihn hoch und wirft ihn an anderer Stelle wieder rein. Da hält der Anker gar nicht. Ein zweiter Versuch. Anker ins Boot, rausrudern, reinwerfen und — der Anker hält, ein bisschen, wahrscheinlich genügend. Die Nacht wird unruhig und der Morgen spannend, denn bei viel Wind ist dann auch das Anlegen in Loftahammar, dem nächsten Hafen, für den wir uns wegen ruhigerer Nächte entscheiden, nicht ganz so einfach. Doch das Gefühl, wenn das Boot dann sicher am Steg liegt und über uns zwischen Wolken die Sonne aufblitzt, das Gefühl ist mit nichts anderem zu vergleichen.


Außer vielleicht mit dem Gefühl, wenn wir wieder aufbrechen zur nächsten kleinen Insel, wenn wir an der nächsten Bucht, an der nächsten Schäre festmachen.