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Geschrieben von Nora Lachmann

56° 38’ 60’’ N,16° 27’ 44’’ E

 

website blog 227

Es ist an der Zeit, sich auch einmal den Freuden des Segelns zu widmen. Denn wie soll ich es sonst erklären, was und warum es mich jeden Sommer aufs Meer zieht, auf das Boot, das uns so viele Abenteuer beschert hat, aber eben auch Tage wie diesen:

Am Morgen legen wir ab, fahren ganz unspektakulär die ersten Meilen unter Motor, denn unser Ziel ist weit gesteckt und es weht nur wenig. Vorbei an Hanö, der Insel unserer letzten zwei Nächte, geht es hinaus Richtung Kalmarsund. Ein Segel ziehen wir dennoch hoch. Man kann ja nie wissen, wann der versprochene Wind denn kommt, und außerdem liegt das Boot dann auch ruhiger, denn Wellen gibt es schon. Das Boot schwankt.

Abwarten und frühstücken. Logge beobachten. Vier Knoten Wind reichen noch nicht zum Segeln, aber frisch wird es. Nach einer Stunde der nächste Versuch … Wir segeln. Raumshots. Die Segel weit gebläht. Um uns herum nur das Meer, erst grau, dann dunkelblau gekräuselt, am Horizont ein einsames Segel. Kein Land, nirgends. Minuten, Stunden vergehen, rauschen vorbei mit dem Wasser; Gedanken ziehen mit den Wolken.

website blog 226Es gibt nichts zu tun, nur zu sein. Wir sind in der Bewegung, in der Sonne, im Wind, der stärker wird, uns schneller vorantreibt. Sieben Knoten, knapp dreizehn Stundenkilometer. Schneller werden wir nicht, schneller läuft das Boot nie.
Die Welt zieht also in einem moderaten Tempo vorbei — Augen, Ohren und alle Sinne kommen mit, werden ruhig. Aus dem Wasser schälen sich Konturen; Wolkentürme hängen über dem Land. Gebäude, ein Leuchtfeuer, Bäume. Wir kommen näher, fahren vorbei, ändern den Kurs und gleiten auf glattem Wasser dahin. Ganz eins mit dem Wind, den wir kaum noch spüren, der Abendsonne, dem Hafen Sandhamn entgegen.

Fast ist es ein wenig schade, die Segel einzuholen, uns von der Fahrt zu verabschieden, das Boot an Land festzumachen nach einem Tag der Segelfreuden, die umso kostbarer sind, weil sie selten vorkommen und niemals an zwei Tagen hintereinander. Am nächsten Tag schon folgen uns dunkle Wolken, schüttet es ein ums andere Mal, prangt nach einem Manöver ein Loch in der Sprayhoodscheibe. Doch am Abend gibt es leckeres Eis in der Chokladfabriken in Färjestaden auf Öland.