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Geschrieben von Nora Lachmann

54° 18' 35'' N, 13° 40' 54'' E

 

 

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Ostern ist es auf dem Mönchgut noch kühl und sehr ruhig. In den Hafen verirrt sich höchstens manchmal ein Boot, auf den Wegen grüßen sich die einsamen Wanderer. Bei Sonne, hoffentlich, und Wind, ziemlich stark meistens, kann man die Zicker Berge kraxeln und zur einen Seite auf den Greifswalder Bodden, zur anderen auf die Ostsee schauen. Eine Woche ist pure Entspannung — es sei denn, Abi-Prüfungen stehen vor der Tür.

website blog 221Wir leben im Zeitalter der Darstellung, des Präsentierens. Darstellen ist alles. Dabei sein reicht schon lange nicht mehr. Sich selbst und auch Inhalte zu präsentieren ist eine Fähigkeit, die immer wichtiger im Leben wird. Folgerichtig hat die Präsentation, früher unter dem weniger schillernden Namen Referat bekannt, großflächig Einzug in die Schule gehalten. Nicht nur in der Oberstufe, nicht allein auf den weiterführenden Schulen, nein, schon in der Grundschule werden Vorträge von den Schülern gehalten. Meine Tochter hielt den ersten, noch bevor sie lesen konnte — mit Hilfe von Bildchen, die als Stichpunkte zu den Informationen über Quallen dienten.

Über Sinn und Unsinn von Vorträgen kann man streiten. Einer meiner Dozenten im Studium hielt sie für komplett überflüssig. Aber sicher lernt die Vortragende viel über das Thema und sicher festigen viele Vorträge das Selbstvertrauen beim freien Sprechen. Wir überlegen uns inzwischen gut, ob wir eine Diskussion mit unserer Tochter anfangen.

Doch nun zu Rügen, der einen Woche, die der Vorbereitung auf die 5. Prüfungskomponente im Abitur, der Präsentationsprüfung, dienen sollte. Für die Tochter und ihre Freundin. Die Eltern würden die Versorgung sicherstellen, also einkaufen, kochen, beruhigen und beraten. Eine Woche das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden, den Urlaub mit dem Lernen.

Die 5. Prüfungskomponente soll natürlich mehr sein als ein normales Referat. Schließlich wird sie vierfach gewertet. An den Vortrag von zwanzig Minuten schließt ein zehnminütiges Gespräch an. Sie soll zudem vorbereiten auf wissenschaftliches Arbeiten, also auf ein Studium, weshalb die zu bearbeitende Leitfrage sowohl genügend Stoff für eine solche Auseinandersetzung bieten soll, als auch nicht zu weit gefasst sein darf, um den Zeitnahmen nicht zu sprengen. Entspannt waren die Schülerinnen überhaupt nicht. Verwirrt und manchmal verzweifelt saßen sie mit rauchenden Köpfen über den Quellen und Ausarbeitungen — seit Wochen. 

Freunde und/oder die Familie sollen um Hilfe und Beurteilung gebeten werden, steht in den Hinweisen zur Prüfung. Klar, geht in Ordnung. Erwartungshorizont und Erläuterungen auf mehreren Seiten. Der Stresspegel steigt.

Wir backen einen Osterzopf, kochen gesund und vielfältig, hören zu, überlegen mit, schlagen uns ebenfalls die Nächte um die Ohren. Und lernen viel über die jeweiligen Spezialgebiete. Staunen.

Wünschen Glück. Drücken die Daumen.