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Geschrieben von Nora Lachmann

52°31'22''N,13°23'18''E

 

 

website blog 217Chi-raq (Spike Lee) will aufrütteln, laut, grell, mit all der Wut, die man darüber haben kann, dass in Chicago in den letzten 15 Jahren mehr Amerikaner durch Waffengewalt gestorben sind als in den Kriegen in Afghanistan und Irak zusammen. Im Vorspann ploppen blutrot die gerappten Texte von Nick Cannon und die Zahlen auf. Und so deutlich geht die Geschichte von Lysistrata und dem Streik der Frauen für den Frieden weiter. In Versen, pathetisch, mit drastischer Komik. „No peace, no pussy.” Weltweit.

In Genius (Michael Grandage) treffen der Lektor Max Perkins und der Schriftsteller Thomas Wolfe aufeinander, trifft die überbordende Sprachgewalt von Wolfe auf den Rotstift des Lektors. Spannend, wie von einem in wunderbaren Worten beschriebenen Absatz nur ein einziger Satz übrig bleibt, der eindeutig stärker wirkt. Noch spannender, wie Colin Firth und Jude Law den stillen Lektor und den manischen Schriftsteller geben. Ein Schauspielfest.

Miles Ahead (Don Cheadle) widmet sich einem anderen genialen Künstler: Miles Davis. Keine Biografie, sondern eine Collage aus Fiktion und tatsächlichen Begebenheiten um eine fünfjährige Schaffenspause Ende der siebziger Jahre. Ein Puzzle aller Widersprüche, eine Annäherung, die Lust macht auf mehr.

Zeitgleich mit der Berlinale und darüber hinaus bis zum 10. Juli ist im Hamburger Bahnhof Julian Rosefeldts Filminstallation Manifesto zu sehen. 13 parallel laufende Kurzfilme mit Texten, Manifesten zur Kunst aus unterschiedlichen Richtungen, neu zusammengesetzt und alle interpretiert von Cate Blanchett in ganz verschiedenen Rollen. Ob als Lehrerin, die Grundschülern Manifeste von Filmemachern als Aufgabe gibt, oder Nachrichtensprecherin, die mit sich selbst als Reporterin über Konzeptkunst und Minimalismus einen Dialog führt. In nur zwölf Tagen gefilmt, eine unglaubliche Vielfalt, eine faszinierende Entdeckungsreise.